Makrele gegrillt & Seemuschel-Bibimbap – ehrliche Bewertung Gyeongchunjae
Das war mein allererster Trip nach Gyeongju. Man hört immer, dass es eine Stadt mit sehr viel Geschichte ist – aber vor Ort fühlt sich die Luft irgendwie anders an. Diesmal hatte ich kein langes Programm, nur ein kurzer Abstecher. Hatte mir vorher auch kein Restaurant rausgesucht. In der Nähe vom Bulguksa-Tempel bin ich einfach die Straße entlanggelaufen, plötzlich stand da das Schild von Gyeongchunjae – und rein bin ich. Keine Naver-Suche, keine großen Erwartungen. Dadurch kann ich jetzt umso ehrlicher schreiben.

Gyeongchunjae bei Bulguksa – erster Eindruck
Von außen sah es deutlich gepflegter aus als gedacht. Direkt am Touristen-Hotspot hatte ich eigentlich Chaos erwartet, aber es war überraschend ruhig. Das Menü stand groß auf dem Schild, man wusste sofort, was es gibt. Das Hanok-Dach passte super zur Gyeongju-Stimmung. Sah nicht schlecht aus → rein.

Menü und Preise
Das Menü bot ziemlich viele Bibimbap-Varianten. Schnittlauch-Bibimbap 11.000 ₩, jeweils 14.000 ₩ für Seemuschel-, Mungge-, Rindfleisch-Yukhoe-Bibimbap, 16.000 ₩ für Abalone- und Seeohren-Bibimbap, 18.000 ₩ für Meeresfrüchte-Dol-Sot-Bibimbap. Gegrillte Makrele 14.000 ₩, Extra-Reis 1.000 ₩.
Eigentlich wollte ich zwei Portionen Makrele bestellen. Aber der Chef kam mir zuvor und meinte, bei zwei Portionen komme echt viel raus – besser eine andere Speise dazu nehmen. In den meisten Läden wollen sie Einheitlichkeit, hier durfte man mischen. Also habe ich Seemuschel-Bibimbap noch dazu genommen. Solche kleinen Gesten bauen sofort Vertrauen auf.
Ambiente innen – ruhig trotz Touristenlage

Während ich auf das Essen wartete, habe ich mich umgeschaut. Der Raum ist eher kompakt. Nicht übermäßig viele Tische, aber für 4-Personen-Tische genug Platz für mehrere Gruppen. Alles in Holz gehalten → sehr warme Atmosphäre.

Am Fenster saß es sich richtig schön, die Sonne kam rein. Weil Nebensaison war, fast keine anderen Gäste. Restaurant am Bulidan-Gil in Gyeongju – und trotzdem nicht voll. Dadurch viel entspannter und angenehmer.
Banchan-Tableau – hier fängt der Charme der koreanischen Küche an

Bevor das Hauptgericht kam, fielen mir zuerst die Beilagen auf. Der Reiz der koreanischen Küche beginnt wirklich beim Banchan. Kleine Schälchen, die den ganzen Tisch füllen – allein vom Hinschauen wird man schon satt.
Kimchi, Myeolchi-bokkeum, verschiedene Jangajji, Dubu, Namul usw. kamen. Bunte Farben, gute Auswahl → die Stäbchen wanderten ganz von selbst. Hauptgericht noch gar nicht da und der Tisch sah schon aus wie ein richtiges koreanisches Essen. Verstehe jetzt, warum man immer von der herzlichen koreanischen Tafel spricht.
Ehrliche Einzelbewertung der Banchan

Unter den Beilagen war der Karottensalat der unerwartete Star. Fein geraspelte Karotten, knackig-frisch, Dressing nicht zu dominant – reinigt den Gaumen richtig gut. Habe vor dem Hauptgericht fast nur das gegessen.

Myeolchi-bokkeum glänzte schön, nicht zu hart, angenehm knusprig, salzig-nussig – perfekt auf den Reis. Allein diese eine Beilage fühlt sich schon nach hausgemachtem Essen an.

Kkakdugi war relativ groß geschnitten, dadurch richtig guter Biss. Etwas Sud drin, zusammen mit Reis erfrischt es den Mund angenehm. Schärfe moderat – konnte ich problemlos immer weiter essen.

Pilz-Jangajji hatte die Sojasauce schön aufgenommen, aber blieb bissfest. Deshalb griff ich überraschend oft zu. Balanciert super zu Bibimbap oder Makrele.

Kimchi war klassisch solide. Nicht überwürzt, Kohl knackig – sorgt für Klarheit auf dem ganzen Tisch. Für mich ist gutes Kimchi in einem koreanischen Restaurant entscheidend – hier top.

Dubu-Jorim mild, aber leicht gewürzt. Nicht aggressiv, hält in der Mitte alles zusammen. Nussiger Geschmack breitet sich langsam aus – sehr angenehm.

Paprika und Rettich-Jangajji weckten den Appetit perfekt. Salzig-pikant, nimmt das Fettige raus, wenn man es zum Bibimbap isst. Klein, aber sehr wichtig fürs Gesamtbild.
Hauptgerichte kommen – Seemuschel-Bibimbap & gegrillte Makrele

Nach all den Banchan kam endlich das Gesamtbild. In der Mitte Seemuschel-Bibimbap, daneben zwei schön gegrillte Makrelen. Größer als erwartet – der Tipp des Chefs war goldrichtig. Reichte locker für zwei Personen.
Beim Bibimbap lagen massenhaft Sprossen und Gemüse oben – sah sehr üppig aus. Sauce dazu, alles verrühren und weg war’s. Makrele außen schön knusprig, dazu eingelegter Chili.
Auch Suppe kam mit – mild, nicht aufdringlich. Insgesamt nicht übertrieben fancy, sondern solide, ehrliche Gyeongju-Küche. Für ein Restaurant direkt an der Touristenmeile wirklich überzeugend stabil.
In Korea gibt es in fast jedem Restaurant kostenlose Banchan. Die Großzügigkeit bei den Beilagen ist echt beeindruckend. In manchen Nachbarländern gibt es Ähnliches, aber meistens muss man extra bezahlen. In Korea kommt es einfach so dazu. Dafür gibt es bei Hauptgerichten und Premium-Banchan keinen Nachschlag!!
Seemuschel-Bibimbap – unerwartet richtig gut

Das sind die Seemuscheln im Bibimbap. Reis kommt separat, Muscheln und Gemüse drauf, dann mischen. Sehr großzügig mit den Muscheln – bei jedem Löffel waren welche dabei.
Würze perfekt abgestimmt. Nicht zu salzig (dann bräuchte man zu viel Reis), nicht fade, nicht süß. Sauce genau richtig dosiert → super Balance mit dem Reis. Hatte echt keine großen Erwartungen, wurde aber positiv überrascht.
Gegrillte Makrele – der Star des Tages



Der absolute Held war heute die gegrillte Makrele. Auf der Karte stand „1 Portion“ – dachte, eher leicht. Dann kam der Teller und ich war baff. Groß und dickes Fleisch – locker für zwei Personen. Der Chef hatte recht mit der Warnung vor zwei Portionen.
Außen goldbraun und knusprig, Stäbchen rein und das Fleisch löste sich sofort. Erster Bissen: nussiges Fett, leicht salzig – zusammen mit Reis der Hammer. Salz nicht übertrieben, genau der perfekte Punkt. Mit dem eingelegten Cheongyang-Chili dazu wurde das Fettige sofort abgeschnitten und der Geschmack noch klarer.
Durch die Kombi mit dem extra bestellten Bibimbap wurde nichts langweilig – mal frisch-leicht, mal richtig sättigend. Passte hervorragend zusammen.
So isst man gegrillte Makrele richtig lecker – Ssambap ist unschlagbar

Wenn man die Makrele hauptsächlich mit wenig Reis isst, kommt die salzige Note noch stärker raus. Genau dann ist in Salatblatt wickeln die beste Idee. Makrele drauf, bisschen Reis, einwickeln – Salz wird milder, Salatduft kommt dazu, insgesamt viel frischer und sauberer im Abgang. Persönlich meine absolute Lieblingskombi.
Scharfer eingelegter Chili – scharf, aber man kann nicht aufhören

So schmeckt Schärfe für Koreaner. Der Chili ist richtig scharf – ein Bissen und es steigt sofort hoch. Aber durch die Marinade wird es nicht nur aggressiv scharf. Salzig + Umami kommen mit → nicht bloß „scharf!“, sondern lecker scharf.
Das Verrückte: Es brennt, und trotzdem greift man immer wieder zu. Stück Makrele, Stück Chili, kurz in die Soße getunkt. Scharf – und trotzdem süchtig machend. Hat echt was Anziehendes.
Gyeongchunjae bei Bulguksa Gyeongju – ehrliches Gesamturteil
Bin ohne jede Recherche reingegangen, hatte also null Erwartungen. Vor Touristenattraktion dachte ich automatisch: teuer und mittelmäßig. Aber nach dem Essen war ich echt positiv überrascht.
Die gegrillte Makrele kam in guter Menge, Würze saß perfekt – salzig, aber nicht zu viel, super zum Reis. Auch das Seemuschel-Bibimbap war nicht geizig mit den Muscheln. Getrennt bestellen war rückblickend die beste Entscheidung.
Kein überkandideltes Hipster-Lokal, sondern grundsolides, hausmannskostartiges Koreanisches Restaurant. Wer in der Nähe vom Bulguksa-Tempel eine richtig sättigende Mahlzeit sucht, macht hier nichts falsch. Wenn ich nochmal nach Gyeongju komme, gehe ich wegen der Makrele sehr wahrscheinlich wieder hin.
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