Traumhaftes Hanok-Café mit Blick auf alte Königsgräber in Korea
Ein Hanok-Café in Gyeongju — als Kettenmarke auf traditionelle Architektur trifft

Paul Bassett ist in Korea keine Kette, die man an jeder Ecke findet. Die Filialen konzentrieren sich auf Großstädte und stehen normalerweise in schicken Geschäftsvierteln. Als Premium-Kaffeemarke denkt man sofort an moderne, cleane Räume mit viel Glas und Beton. Genau das Gegenteil von dem, was einen hier in Gyeongju erwartet.
Ehrlich gesagt mag ich persönlich kleine, individuelle Cafés viel lieber. Solche, die in irgendeiner Gasse versteckt liegen und wo man den Geschmack des Besitzers in jeder Ecke spürt. Die sind einfach viel spannender. Deshalb gehe ich normalerweise an Marken-Cafés wie Paul Bassett einfach vorbei.
Aber die Filiale in Gyeongju — einer historischen Stadt etwa 3,5 Stunden südöstlich von Seoul, die als ehemalige Hauptstadt des Silla-Königreichs bekannt ist — war anders. Im Vorbeigehen ist mir die Fassade sofort aufgefallen. Ein Gebäude im traditionellen Hanok-Stil, die geschwungene Dachlinie, das Schild neben einer Steinmauer. Kein Luxus-Café in der Innenstadt, sondern ein Ort, der perfekt zur Atmosphäre von Gyeongju passt. Obwohl es keine individuelle Rösterei ist, hat mich die Stimmung einfach reingelockt.
Außenansicht — Ist das ein Café oder ein traditionelles Hanok?

Beim ersten Anblick fragt man sich wirklich, ob das ein Café ist. Ziegeldach, Holzsäulen, traditionelles Fenstergitter-Design — alles erinnert an die klassische Architektur, die man überall in Gyeongju sieht. Im Vergleich zu den anderen Paul-Bassett-Filialen mit ihren modernen Glas-Beton-Fassaden ist das hier eine komplett andere Welt. Da Gyeongju eine Stadt ist, in der historische Stätten und Hanok-Häuser zum Alltag gehören, wirkt dieses Café überhaupt nicht fehl am Platz. Im Gegenteil, es fügt sich ganz natürlich in die Umgebung ein.
Unter der Hanok-Traufe mit den Ziegeln leuchtet ein einzelnes Kronen-Logo. Das Paul-Bassett-Symbol sitzt mitten auf der traditionellen Holzgitter-Wand mit weißem Putz, und seltsamerweise passt es trotz allem Widerspruch erstaunlich gut. Die Krone als Symbol strahlt von Natur aus etwas Edles aus, und vor dem Hintergrund von Gyeongju, der tausendjährigen Hauptstadt des Silla-Reichs, wirkt sie sogar noch passender. Dass ein Eiscreme-Aufsteller und eine Hanok-Traufe im selben Bild stehen — das gibt es nur hier.
Erster Eindruck innen — moderne Ästhetik auf traditioneller Hanok-Struktur

Sobald man eintritt, ist man erst mal von der Größe beeindruckt. Massive Holzbalken, die bis zur Decke reichen, dicke Säulen, die offene Sparrenstruktur eines traditionellen Hanok — aber es fühlt sich überhaupt nicht alt an. Das hier ist kein verwittertes, altmodisches Hanok, sondern ein Raum, in dem moderne Ästhetik auf traditionelle Struktur trifft. Die Beleuchtung ist warm, die Sitzanordnung großzügig, die Theke sauber gestaltet. Die Beschreibung „Hanok-Café in Gyeongju" trifft es hier auf den Punkt.
Merchandise-Regal — Tumbler aussuchen mit Blick auf antike Grabhügel


Gleich links am Eingang steht das Merchandise-Regal. Tumbler, Tassen, Kaffeebohnen, Drip Bags — das komplette Paul-Bassett-Sortiment ist ordentlich aufgereiht. Aber hinter dem Regal sieht man direkt die Grabhügel von Daereungwon, der berühmten Grabanlage aus der Silla-Dynastie. Man schaut sich die Produkte an und der Blick wandert automatisch zum Fenster. Einen Tumbler aussuchen mit antiken Königsgräbern im Hintergrund — das geht nur in dieser Filiale.
Bestellung — hauptsächlich per Kiosk, Theke auch möglich

Im Paul Bassett Gyeongju bestellt man per Kiosk. Auf dem Touchscreen sind die Menüfotos groß abgebildet, und alles ist übersichtlich in Kategorien unterteilt: Kaffee, Entkoffeiniert, Eiscreme, Tee & Latte, Eisgetränke, Speisen. Auch beim ersten Besuch kommt man problemlos zurecht. Man legt alles in den Warenkorb, kann Optionen direkt anpassen — insgesamt ist die Benutzeroberfläche ziemlich intuitiv.
Falls man allerdings mit dem Kiosk nicht klarkommt oder bar bezahlen möchte, kann man einfach das Personal an der Theke ansprechen. Auch dort kann man bestellen und bezahlen, also kein Grund zur Sorge.
Die Theke und die Bäckerei-Vitrine

Vor der Theke steht eine Bäckerei-Vitrine. Croissants, Tartes, verschiedene Kuchen — alles ordentlich hinter Glas aufgereiht, und die Auswahl ist recht groß. Man kommt nur für einen Kaffee rein und nimmt am Ende doch noch ein Gebäck mit. Über der Theke hängt eine große digitale Menütafel, sodass man auch vom Platz aus das Angebot sehen kann. Die Hanok-Holzwand im Hintergrund gibt der Theke eine richtig edle Atmosphäre.
Die Decke macht den Unterschied — Holzsparren und Kugelleuchten

Wenn man nach oben schaut, fällt die Decke sofort auf. Die massiven Holzsparren liegen komplett offen — und so eine Decke sieht man in einem Café wirklich selten. Die Balken sind nach traditioneller Hanok-Bauweise zusammengefügt, ohne einen einzigen Nagel, und allein diese Konstruktion ist schon sehenswert. Die Beleuchtung steigt sanft zwischen den Sparren auf, sodass es abends bestimmt noch mal eine ganz andere Atmosphäre hat. Durch die Fenster sieht man die Stadt Gyeongju und die Berge dahinter, und unter dieser Decke mit diesem Ausblick — da vergisst man fast, dass man in einem Café sitzt.

In der Mitte steht ein achteckiges Sofa, und darüber hängen mehrere kugelförmige Leuchten in unterschiedlichen Höhen herab. Die Lampen wirken wie eigenständige Kunstobjekte. Die Anordnung des Sofas ist ungewöhnlich — man sitzt nach innen gerichtet, sodass es auch alleine nicht unangenehm ist, und zu mehreren kann man sich locker unterhalten. Die Lichtfarbe ist warm, sodass der Raum sich auch an trüben Tagen gemütlich anfühlt.

Die Kugelleuchten über dem achteckigen Sofa sind das Herzstück dieses Raums. Tagsüber vermischen sie sich mit dem natürlichen Licht, das durch die Fenster fällt, und an bewölkten Tagen füllen sie den Raum allein mit genug Wärme. Die scharfen, geraden Linien der Hanok-Sparren und die weichen Rundungen der Leuchten bilden einen Kontrast, der auf eine merkwürdige Art perfekt zusammenpasst.
Der Saal — großzügig und weitläufig bestuhlt


Wenn man von der Theke aus in den Saal blickt, stehen die Tische nicht so eng, wie man erwarten würde. Alles ist großzügig verteilt, sodass man den Nachbartisch gar nicht wahrnimmt, und die Hanok-Säulen teilen den Raum auf natürliche Weise. Rund um das achteckige Sofa in der Mitte verteilen sich verschiedene Sitzarten in alle Richtungen — auf der einen Seite Panoramafenster mit Blick auf Gyeongju, auf der anderen die Hanok-Holzwand. Hohe Decke mit Holzsparren, zentrale Leuchten — egal aus welchem Winkel, es gibt immer etwas zu sehen. Es gibt auch ziemlich viele Plätze, sodass man sich am Wochenende wohl kaum Sorgen machen muss, keinen Sitz zu finden.


Fensterplätze — wahrscheinlich die beliebtesten Sitze

Das hier dürften wohl die beliebtesten Plätze sein. Drei Seiten sind komplett verglast, und sobald man sich hinsetzt, hat man Gyeongju, die Hanok-Dächer und in der Ferne die Berge auf einen Blick. Unter dem achteckigen Sofa strömt indirektes Licht bis zum Boden, tagsüber mischt es sich mit dem Tageslicht, und an trüben Tagen reicht es allein aus, um den Raum warm zu füllen. Die traditionellen Gebäude draußen und das Holzinterieur drinnen gehen nahtlos ineinander über. Hier mit einem Kaffee zu sitzen — das Bild stimmt einfach.
Tatami-Sitzbereich — der koreanischste Platz im ganzen Café

Hier zieht man die Schuhe aus und setzt sich auf den Boden. Niedrige Holztische, Sitzkissen, und durch die Fenster schaut man hinunter auf die Straße. Dieser Bereich ist leicht vom Rest getrennt, also sitzt man hier schön ruhig. Die typisch koreanische weiße Wand und die Holzfensterrahmen sind original erhalten, und von allen Plätzen im Café hat dieser hier die authentischste koreanische Atmosphäre. Ein Ort, an dem man einfach lange bleiben möchte.
Die Terrasse — von Frühling bis Herbst das eigentliche Highlight

Es gibt auch Außenplätze. Hinter der Glasbrüstung breiten sich die Gyeongju-Altstadt und die Hanok-Dächer aus — hätte das Wetter mitgespielt, hätte ich definitiv hier gesessen.

Unter der Traufe des Gebäudes erstreckt sich ein überdachter Außengang mit Sitzplätzen. Um einen einzelnen Baum herum steht ein achteckiges Blumenbeet, und drum herum sind Tische verteilt. Die Hanok-Traufe dient als Dach, sodass man auch bei leichtem Regen hier sitzen kann. Im Frühling oder Herbst hätte ich hier bestimmt ewig gesessen.


Die gesamte Terrasse ist ziemlich groß. Viele Sitzplätze, ein weiter, offener Blick, und in der Ferne die Berge. Am Tag meines Besuchs war Winter, und es war einfach zu kalt — ich habe nur Fotos gemacht und bin wieder reingegangen. Ehrlich gesagt, der tiefste Winter ist nicht die beste Zeit dafür. Ab Mitte bis Ende März bis in den Herbst hinein dürfte es aber eine völlig andere Geschichte sein. An einem warmen Tag hier auf der Terrasse sitzen, Kaffee trinken und die Landschaft von Gyeongju genießen — das stelle ich mir wirklich richtig schön vor.
Sitzplatz-Galerie
Getränke-Fazit — den Menünamen habe ich vergessen, aber
Den genauen Menünamen weiß ich nicht mehr. Ein Getränk auf Kaffeebasis mit Softeis obendrauf, ein Softeis solo und einen warmen Tee. Insgesamt drei Sachen bestellt.
Beim Kaffeegetränk war unten eine kräftige Espresso-Basis, darüber bildete Milch Schichten, die sich langsam vermischten. Schon optisch ein Hingucker, und der erste Schluck war kräftig und vollmundig. Der Nachgeschmack war nicht bitter, sondern klang sanft aus. Paul Bassett ist als Marke generell stark im Espresso-Bereich, und die Dichte des Kaffees war tatsächlich spürbar. Mag natürlich auch sein, dass er am Hanok-Fenster in Gyeongju einfach besser geschmeckt hat als sonst.
Auf dem Softeis war eine rosafarbene Kirschblüten-Dekoration, die wohl ein saisonales Special war. Der typisch nussig-cremige Geschmack von Milch-Softeis, aber bei Paul Bassett ist der Milchfettgehalt höher, sodass die Textur auf der Zunge richtig satt und intensiv ist. Der Tee kam als Teebeutel in einer Tasse — eine ruhige Sorte zum stillen Genießen.
Paul Bassett Gyeongju Gyodong DT — Infos zum Café
Mo – Do · So 08:00 – 21:30
Fr · Sa · Feiertage 08:00 – 22:00
Paul Bassett Gyeongju — Menü und Preise
Kaffee
Eiscreme
Tee & Latte
Limonaden & Frappés
※ Preise basieren auf der Preisanpassung vom Januar 2025. Saisonale Menüs können variieren.
Häufig gestellte Fragen
Gibt es Parkplätze?
Ja, es gibt einen eigenen Parkplatz direkt am Café. Er ist ziemlich groß, sodass man auch am Wochenende in der Regel einen Platz findet.
Geht nur Kiosk-Bestellung?
Grundsätzlich bestellt man am Kiosk. Wer aber bar bezahlen möchte oder mit dem Kiosk nicht klarkommt, kann auch an der Theke bestellen.
Gibt es einen Drive-through?
Ja, neben dem Café gibt es eine separate Drive-through-Spur.
Gibt es Außenplätze?
Ja. Allerdings ist der Bereich wetterabhängig, deshalb empfiehlt sich ein Besuch ab Mitte März. Am angenehmsten ist es von Frühling bis Herbst.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf https://hi-jsb.blog veröffentlicht.