
Verstecktes Gartencafé in Thailand – wie im Märchen
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Thailand ist auch eine Café-Großmacht
Wenn du durch Thailand reist, bleibst du ständig vor Cafés stehen. Nicht nur in Bangkok oder Chiang Mai – auch in kleinen Städten verstecken sich Gartencafés, bei denen dir die Kinnlade runterfällt. Deutschland hat seine Kaffeehaus-Kultur, klar, aber Thailand steht dem in nichts nach. Ehrlich gesagt habe ich oft das Gefühl gehabt, dass die Outdoor-Bereiche dank des Klimas in Thailand sogar noch eine Stufe drüber liegen. Als ich in Rayong gelebt habe – einer Küstenstadt etwa zweieinhalb Stunden östlich von Bangkok – bin ich jedes Wochenende Cafés abgeklappert. Und Pa Dee in the Wild (ปาฎี) war das eine Café, das ich unbedingt vorstellen wollte.

Diesen Drink zeige ich dir zuerst – das Glas voller Beeren, über die sich lila Sirup ergießt. Zum Geschmack kommen wir später. Erstmal: Was ist das hier eigentlich für ein Ort?
Schon am Eingang weißt du nicht: Garten oder Café?


Sobald du den Eingang betrittst, weißt du nicht mehr, ob du gerade ein Café oder jemandes privaten Garten betreten hast. Links und rechts vom Kiesweg dichte Büsche, weiße Tische mit Spitzendecken, und zwischen den Bäumen glitzern Lichterketten – mitten am Tag. Ziemlich viele Leute sind da, trotzdem ist es nicht laut. Ob die Bäume den Schall schlucken oder alle automatisch leiser sprechen, weiß ich nicht. Unter Sonnenschirmen plaudernde Leute, ein Pärchen schlendert in den hinteren Teil, jemand posiert neben einer Bank fürs Foto – jeder in seinem eigenen Tempo.

Weiter hinten taucht ein weißes Gebäude auf. Sprossenfenster, an denen Kletterpflanzen hochranken, ein Kranz an der Tür. Sieht aus wie ein englisches Cottage auf dem Land – bis du nach oben schaust und tropische Bäume das Dach verdecken. Ach ja, stimmt. Thailand. Das Café gibt es seit über 12 Jahren, aber 2023 ist es an den jetzigen Standort umgezogen und hat den Zusatz „in the Wild" bekommen. Die Natur hier ist über Jahre gewachsen – das ist kein inszeniertes Deko-Grün, das ist echt.
Ich zeige dir erst die Getränke und den Kuchen, und dann gehen wir nochmal raus. So lohnt es sich, bis zum Ende zu lesen.
Drinnen fühlt es sich an wie bei jemandem zu Hause

Der Innenraum ist klein. Weiße Holzwände, von denen Trockenblumen herunterhängen, ein Tisch am Fenster, neben der Theke vollgestopfte Regale mit Kleinigkeiten – als wärst du in ein Haus eingeladen, in dem jemand seit Jahren wohnt. Die Inhaberin verkauft auch handgemachte Sachen, und wenn du erst anfängst, alles anzugucken, merkst du gar nicht, dass deine Bestellung schon fertig ist.

Die Fenstergriffe sind aus Porzellan. Mit aufgemalten Blümchen. Die Gardine daneben hat auch ein Blumenmuster, und durch das Glas schimmert das Gartengrün hindurch – meine Frau stand da eine ganze Weile und hat nur geguckt.
Berry Love Drink – lila Magie


Das Glas kommt, aber da ist keine Flüssigkeit drin. Brombeeren, Himbeeren und rote Johannisbeeren türmen sich auf dem Eis, dazwischen stecken Farnblätter. In diesem Zustand ist es eigentlich schon ein Dessert.


Meine Frau sagt: Trink schon. Aber Moment mal. Die Wassertropfen auf den Brombeeren, die Himbeerkörner, die im Sonnenlicht fast durchsichtig schimmern – noch ein Foto.
Wenn du den Sirup eingießt, wechselt die Farbe

Dazu wird etwas Separates serviert. Ein Glasfläschchen mit lila Sirup. Am Hals eine rosa Schleife – sah aus wie ein Parfümflakon.

Wenn du das langsam ins Glas kippst, sickert das Lila zwischen die Beeren. Das vorher klare Eis färbt sich nach und nach – aber du darfst nicht zu schnell gießen.

Nachdem alles drin ist: Oben die Beerenfarben, unten tiefes Lila. Das Farnblatt steht in der Mitte, Blaubeeren treiben an der Oberfläche, und wenn du das Glas anhebst, schimmert das Lila im Sonnenlicht durch – sieht aus wie ein Weinglas.

Ich habe eine Himbeere mit dem Löffel rausgefischt und der lila Sirup tropfte herunter. Dieses Foto ist am besten geworden. Geschmacklich ist der Drink fruchtig-sauer, der Sirup ziemlich süß. Aber die Beerensäure gleicht das aus, und bei der thailändischen Hitze war das genau richtig.

Von oben betrachtet: Die Beeren treiben auf einem lila Meer. Das Eis war schon halb geschmolzen, aber trotzdem noch hübsch.
Hausgemachter Schichtkuchen

Der Kuchen wurde gebracht. Auf einem Teller in einem Rattankörbchen, dahinter das Grün des Gartens als Kulisse.


Dieser Kuchen ist ein bisschen ungewöhnlich. Grüne, rosa und weiße Böden sind übereinandergeschichtet, oben hellblaue Creme, zwei Blaubeeren, eine Traube, Minzblätter. Die grüne Schicht schmeckt nach Pandan – ein Kraut, das in Südostasien überall verwendet wird. Stell dir so eine Art dezentes Matcha vor, nur sanfter und grasiger. Zwischen den Böden ist eine dünne Cremeschicht, und beim ersten Bissen kommt zuerst das Kräuteraroma, die Süße folgt mit leichter Verzögerung.

Mit der Gabel vorne angeschnitten. Super weich, du brauchst null Kraft.

Der Querschnitt. Grün, Weiß, Rosa – sauber aufgeteilt. Die Inhaberin macht ihn komplett selbst, alles Handarbeit.

Ein Bissen auf der Gabel. Alle drei Böden plus Creme kommen zusammen hoch, dahinter verschwimmt der Garten. Süß, aber nicht schwer.
Zurück nach draußen – der Garten ist größer als gedacht

In der Mitte des Gartens steht ein schwarzer Brunnen. Das Plätschern läuft die ganze Zeit und lässt dich die Hitze ein bisschen vergessen. Dahinter das weiße Cottage-Gebäude und eine Terrasse mit Lichterketten, bei Wind flackert das Sonnenlicht zwischen den Bäumen. Keine Klimaanlage nötig – der Baumschatten reicht tatsächlich, um es auszuhalten.

Auf dem Kies sitzen ein Pärchen an einem weißen Tisch, eine Bedienung läuft mit einem Rattankörbchen vorbei. Das zweistöckige Gebäude hinten ist komplett von Kletterpflanzen überwachsen, links ein kleines Häuschen mit Kranz an der Tür. Im Garten sind mehrere Gebäude verstreut, und es macht richtig Spaß, beim Spazierengehen eins nach dem anderen zu entdecken. Es ist deutlich größer, als man denkt.
Handgemachte Deko-Stücke der Inhaberin


Auf dem Regal hinter der Theke liegen Weizenähren-Bündel, Tannenzapfen, eine Miniatur-Holzkirche, in einer Tasse eine einzelne gelbe Rose. Daneben sitzen ein Opa-Püppchen mit Strohhut und ein Oma-Püppchen mit Kopftuch nebeneinander. Alles von der Inhaberin selbst gemacht oder ausgesucht – Handarbeit, durch und durch.
Draußen gibt es auch was

Draußen stehen auch Skulpturen – aber die musst du selber finden, wenn du hingehst.
Auch Spatzen sind hier Gäste

Wir hatten den Kuchen aufgegessen und waren kurz aufgestanden. Als ich zurückkam, saßen ein paar Spatzen auf dem Teller. Pickten sich brav nebeneinander die Krümel raus, ohne die geringste Scheu vor Menschen. In Deutschland hätte jemand sofort was von Hygiene gesagt, aber in Thailand ist das einfach Teil der Szenerie. Ein Vogel setzt sich aufs Geschirr und keiner verscheucht ihn. Dieses lockere Miteinander fand ich richtig schön.
Wenn du nur ein Café in Rayong besuchen kannst
Pa Dee in the Wild ist kein perfektes Café. Atmosphäre und Fotomotive – da ist jeder zufrieden. Aber bei den Getränken und Desserts sagen manche, man zahle halt „Atmosphäre-Aufschlag", und beim Service gehen die Meinungen in den Bewertungen auseinander. Ich finde ehrlich gesagt auch, dass das Herzstück dieses Cafés der Raum selbst ist. Trotzdem: Wenn du in Rayong nur ein einziges Café besuchen kannst, dann empfehle ich dir dieses hier. Nicht weil es perfekt ist, sondern weil die Zeit, die ich hier verbracht habe, einfach gut war.
Pa Dee in the Wild (ปาฎี) – Besuchsinfos
Dieser Beitrag basiert auf meinem persönlichen Besuch während meiner Zeit in Rayong. Öffnungszeiten, Preise und weitere Infos wurden anhand offizieller Kanäle und aktueller Besucherbewertungen auf den neuesten Stand gebracht. Bitte überprüft vor eurem Besuch die Öffnung über die offiziellen Social-Media-Seiten.
Pa Dee in the Wild (ปาฎี)Dieser Beitrag wurde ursprünglich veröffentlicht auf https://hi-jsb.blog.