
delicafé Thailand: Das Shell-Tankstellen-Café im Test
Inhaltsverzeichnis
15 Einträge
Rayong, Thailand – ein Café mitten in der Shell-Tankstelle
Meine Frau ist Thailänderin, deshalb haben wir 2022 eine Zeit lang zusammen in Rayong gelebt. Rayong ist eine Küstenstadt rund zwei bis drei Stunden südöstlich von Bangkok – und wer dort lebt, kommt ohne Auto schlicht nicht weit. Zum Supermarkt, zum Markt, egal wohin: Man ist aufs Fahrzeug angewiesen. Das bedeutet, man kennt die Shell-Tankstellen der Gegend bald auswendig. Tanken, kurz die Toilette nutzen, eine Flasche Wasser aus dem Shop mitnehmen. Und irgendwann fiel mir auf, dass neben dem Kassenbereich ein Café sitzt. Delicafé heißt es – oder delicafé.
In Deutschland ist eine richtige Café-Bar an der Tankstelle noch ziemlich ungewöhnlich. Ich war am Anfang selbst etwas überrascht. In Thailand dagegen gehört das zur Normalität. Bei PTT-Tankstellen gibt es Café Amazon (Cafe Amazon), bei Bangchak die hauseigene Marke Inthanin – die Tankstelle übernimmt hier die Rolle der Raststätte, nur eben an der Landstraße statt auf der Autobahn. Thailand hat sein Straßennetz vor allem über Nationalstraßen aufgebaut, nicht über Highways. Also: tanken, kurz Kaffee holen, weiterfahren. Das System funktioniert.

So sieht eine typische Shell-Tankstelle an einer thailändischen Landstraße aus. Wer das gelbe Muschel-Logo sieht, kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass sich darin auch ein Café befindet.
delicafé von außen – zu hübsch für eine Tankstelle

Wer bei einem Tankstellen-Café eine schmucklose Bude erwartet, wird hier angenehm überrascht. Vor dem Eingang gibt es einen kleinen Teich mit grünen Pflanzen, das Ganze wirkt eher wie ein Café in einem ruhigen Kiez. Thailand hat eine ausgesprochen lebendige Café-Kultur. Während man in Deutschland oft auf Größe und durchgestylte Franchisekonzepte setzt, haben Thais eine besondere Begabung dafür, auch kleine, enge Räume richtig stimmungsvoll einzurichten. Man läuft an einem unscheinbaren Gebäude vorbei, geht rein – und steht plötzlich in einer anderen Welt. delicafé schafft das innerhalb der Grenzen einer Tankstelle ziemlich überzeugend.

Vor dem Eingang gibt es sogar einen kleinen Springbrunnen im Teich. Für eine Tankstelle ist das schon bemerkenswert – allerdings sollte man wissen, dass delicafé je nach Standort sehr unterschiedlich aussieht. Es gibt große Einzelgebäude, aber auch winzige Counter-Varianten direkt neben dem Shop. An einem anderen Standort dieselbe Atmosphäre zu erwarten, wäre also gewagt.
Der Eingang macht neugierig

Die Eingangstür ist aus Holz, mit einem runden Fenster – das erinnert eher an ein Brunchlokal als an eine Tankstelle. Davor liegt eine WELCOME-Matte, daneben eine große Glasfront, durch die man schon von außen ins Innere schauen kann. Draußen stehen auch ein paar kleine Tische, aber bei der Mittagshitze in Rayong kam mir gar nicht in den Sinn, dort Platz zu nehmen.
Tresen und Menü – Preise und Portionen in einem Thai-Café

Hinter dem Tresen hängt die Menütafel an der Wand, davor eine Vitrine mit Backwaren und kleinen Snacks. Weiße Kacheln, schwarze Menütafel – das macht einen aufgeräumten, klaren Eindruck. Auffällig war auch eine TIP BOX auf dem Tresen. Getränke in Thai-Cafés sind grundsätzlich günstiger als in Deutschland, und die Portionen sind deutlich großzügiger. Ein Eisgetränk kommt im großen Becher randvoll mit Eiswürfeln – für den Preis eines Getränks hat man das Gefühl, zwei zu trinken. Meine Frau und ich haben jeweils etwas bestellt, und es war für den Geldbeutel kein Problem.

Neben dem Tresen stehen noch verpackte Snacks zum Mitnehmen. Praktisch für alle, die auf der Durchreise sind.

An einer Tafel werden Rabatte und ein Bonuspunkte-System erklärt. Die Einheimischen nutzten das ganz selbstverständlich – das Engagement dabei hat mich ehrlich gesagt beeindruckt.
Das Schild sagt noch delicafé – doch die Umfirmierung läuft

So sah das delicafé-Schild von außen aus, fotografiert 2022. Inzwischen läuft eine schrittweise Umbenennung zu Shell Café (Shell Cafe). Das erste Shell Café wurde 2022 in Bangkok eröffnet, seitdem wird die Marke peu à peu umgestellt. Es ist also möglich, dass man heute ein anderes Schild vorfindet. In manchen Filialen hängt aber nach wie vor das delicafé-Schild. Menü und Betrieb sind praktisch identisch – nur der Name ändert sich.
Innen: Sitze und Atmosphäre


Durch die großen Glasfenster fließt die Außenlandschaft direkt ins Innere. Die Sitzplätze teilen sich in runde Tische und einen Bartresen am Fenster auf – vom Barhocker aus schaut man direkt auf den Tankstellenvorplatz. Zur Mittagszeit war es ruhig, kaum Gäste, was das Ganze angenehm entspannt und still machte.
Auch traditionelle Thai-Snacks gibt es hier

Auf dem Fenstertisch lagen traditionelle Thai-Süßigkeiten: Kluai Muan (กล้วยม้วน, eine gerollte Bananensüßigkeit) und Kanom Pia (ขนมเปี๊ยะ, ein Mürbegebäck mit Mungbohnenpaste). Das wirkte nicht wie ein zentrales Franchise-Angebot, sondern eher wie eine Eigeninitiative dieser Filiale. In Thai-Cafés findet man öfter solche regionalen Snacks – schön, dass das auch im Tankstellen-Café so gehandhabt wird.
Der Blick aus dem Fenster lässt die Tankstelle vergessen


Vom Innenraum aus sieht man durch die Scheibe auf den Teich und dahinter auf die Tankstelle. Thailand ist ganzjährig heiß – schon nach fünf Minuten draußen läuft die Kleidung voll. Interessanterweise hatte ich manchmal das Gefühl, dass ein heißer Hochsommer in Deutschland ähnlich brutal sein kann, nur eben konzentrierter. In Thailand ist die Hitze konstanter, ohne den plötzlichen Einschlag wie bei einer deutschen Hitzewelle. Wie auch immer: In den klimatisierten Innenraum zu treten fühlt sich jedes Mal wie eine Erlösung an. Mit einem eiskalten Getränk in der Hand den Blick auf Bäume und Springbrunnen gleiten lassen – und kurz vergessen, dass man gerade an einer Tankstelle sitzt. Meine Frau wollte gar nicht mehr gehen und bestellte sich noch einen zweiten Kaffee.
Glasdach bis oben – tagsüber trotzdem gemütlich


Am Fensterregal stehen Snacks in Gläsern, und wer zur Decke schaut, sieht durch das Glas Äste von draußen. Zwischen den Zweigen hängen Lampen – tagsüber hat das einen merkwürdig gemütlichen Effekt. Ich erinnere mich noch an einen leisen Röstkaffeeduft, der im Raum lag. Wer würde da noch auf die Idee kommen, dass man gerade in einem Tankstellen-Café sitzt?
Backwaren: solide, aber überschaubar

In der Vitrine gibt es Croissants, Donuts, Egg Tarts, Sandwiches sowie Wasser und Cola. Die Auswahl ist nicht riesig – in etwa das Niveau einer günstigen Franchise-Bäckerei. Große Konditoreipracht sucht man hier vergeblich. Aber für eine kurze Pause auf dem Weg durch Südthailand ist das Angebot vollkommen ausreichend.
Menütafel zweisprachig – kein Thai nötig

Die Menütafel hängt groß hinter dem Tresen. Die Kategorien: Coffee, Signature Coffee, Bubble Milk Tea, Tea, Milk/Chocolate und Smoothie/Soda. Unter dem Thailändischen steht jeweils Englisch – Bestellen ist also auch ohne Thai-Kenntnisse überhaupt kein Problem. Thailand hat so viele internationale Gäste, dass es bei Franchise-Cafés praktisch keine Karten gibt, auf denen Englisch fehlt.
Kaffee bestellen in Thailand – das solltest du wissen
Ein Foto vom Getränk habe ich leider nicht gemacht – ich hatte es sofort ausgetrunken, bevor mir das einfiel. Ich hatte einen Americano, meine Frau einen Café Latte. Dabei gibt es etwas Wichtiges zu wissen: In Thai-Cafés wird zum Americano oft automatisch Sirup hinzugegeben. Ich mag keinen Zucker im Kaffee, also habe ich extra darum gebeten, das wegzulassen. Ohne diesen Hinweis kommt ein gesüßter Americano auf den Tisch.
Beim Latte ist es ähnlich. Der Thai-Latte entspricht nicht unbedingt dem, was man aus Deutschland kennt – Espresso mit aufgeschäumter Milch. In Thailand ist es üblich, kondensierte Milch oder Zucker als Standard einzuarbeiten. Die Kaffeekultur dort ist generell süßer und kräftiger ausgerichtet als hierzulande.
Tipp: Kaffee ohne Zucker bestellen in Thailand
Wer keinen Süßkaffee möchte, sagt auf Thailändisch „Mai Sai Nam Tan" (ไม่ใส่น้ำตาล) – oder einfach auf Englisch „no sugar, no syrup". Das gilt nicht nur bei delicafé, sondern in praktisch jedem Café in Thailand.
Ehrlich gesagt: Das nervt ein bisschen
Innenräume in Thailand werden klimatisiert oft deutlich kälter gehalten, als man das aus Deutschland gewohnt ist. Nach dem Schwitzen draußen fühlt sich der kühle Raum zunächst himmlisch an – aber nach ein paar Minuten beginnt man zu frösteln. Im delicafé war das genauso. Eine dünne Jacke einzupacken ist definitiv empfehlenswert. Außerdem gibt es keine Toilette im Café selbst – man muss die Gemeinschaftstoilette der Tankstelle benutzen. Die ist nicht weit weg, aber ein direkter Zugang vom Café aus besteht nicht.
Vor dem Besuch beachten
Die Klimaanlage ist stark – am besten eine leichte Jacke dabei haben. Die Toilette befindet sich nicht im Café, sondern ist die gemeinsame Tankstellentoilette.
Bei Shell gibt es nicht immer delicafé
Noch ein Hinweis: Nicht jede Shell-Tankstelle hat ein delicafé. In einigen Filialen, etwa rund um Chiang Mai im Norden, ist stattdessen das Forty-Nine Coffee House eingezogen – ein unabhängiges Café, das sich in der Tankstelle einquartiert hat. Andere Standorte führen lokale Nordthailand-Marken wie Doi Chaang (ดอยช้าง). Es lohnt sich also, immer kurz hineinzuschauen, was an der jeweiligen Tankstelle wirklich drin steckt. Zum Vergleich: PTT betreibt mit Café Amazon mehr als 5.000 Standorte und ist damit die mit Abstand größte Tankstellen-Café-Kette des Landes. PunThai Coffee (พันธุ์ไทย) und Inthanin kommen jeweils auf über 1.000 Filialen. Shell Café ist mit rund 100 Standorten deutlich kleiner – macht aber den Eindruck, dass die Bohnenqualität dort ernst genommen wird.
Kein Ausflugsziel, aber ein guter Stopp auf dem Weg
Ob delicafé eine Reise wert ist? Ehrlich gesagt: nicht wirklich. Das Café ist kein Ziel für sich. Aber wenn man in Rayong lebt oder irgendwo in Thailand mit dem Auto unterwegs ist und ohnehin an einer Shell-Tankstelle hält – dann lohnt sich ein kurzer Abstecher hinein. Ein eiskaltes Getränk im kühlen Innenraum, eine kurze Verschnaufpause, Preise, für die man in Deutschland keinen anständigen Kaffee bekommt. Besser geht Tankstopp kaum.
Und es ist eine nette Möglichkeit, die Tankstellen-Café-Kultur Thailands kennenzulernen – etwas, das es in Deutschland so nicht gibt. Eine Tankstelle, aus der es nach Röstbohnen statt nach Benzin riecht. Manchmal vermisse ich den Alltag in Rayong doch sehr.
Dieser Beitrag basiert auf einem Besuch im Jahr 2022. Menü und Preise können sich seitdem geändert haben – bitte vor dem Besuch aktuell informieren.