Sashimi-Menü im koreanischen Fischrestaurant: Ratgeber
Koreanisches Fischrestaurant: nicht nur Essen, sondern Kultur
Wenn ihr nach Korea kommt und Rohfisch mögt, habe ich richtig gute Nachrichten: In Korea bekommt man frische „Hoe“ (rohen Fisch) nicht nur in Seoul, Busan oder auf Jeju, sondern wirklich fast überall – sogar im Landesinneren, weit weg vom Meer. Ich lebe in Daejeon, einer großen Stadt ohne Küste, und trotzdem kann ich im Fischrestaurant um die Ecke frisch filetierten Lebendfisch essen. Genau das ist für mich einer der größten Reize an der koreanischen Fischrestaurant-Kultur. Heute stelle ich nicht ein einzelnes Lokal vor, sondern erzähle euch, wie so ein typischer Hwejip-Abend (koreanisches Fischrestaurant) im Alltag wirklich abläuft. Los geht’s!

Zwei Arten von Kursen im Fischrestaurant
Viele koreanische Fischrestaurants verkaufen ihr Essen als Kurs. Grob gibt es zwei Stile: Entweder ein Kurs, bei dem die Beilagen (Skkidasi, also die vielen kleinen Extras) den Tisch komplett füllen, oder eine schlichte Variante, bei der es kaum Beilagen gibt und alles auf den Rohfisch fokussiert ist. Der Kurs mit großem „Tischaufbau“ ist meist etwas teurer, dafür bekommt ihr neben dem Fisch eine ganze Reihe Side-Dishes. Die schlichte Variante ist eher „nur das, was du willst“. Heute geht’s um den üppigen Kurs – diese legendäre, volle Tafel.
Start der Beilagen: Salat 🥗

Los geht’s fast immer mit einem Salat. Knackiger Salat mit einem süß-säuerlichen Dressing – schlicht, sauber, und perfekt, um den Appetit zu wecken, bevor später die „schwereren“ Sachen kommen. Simpel, aber wenn er fehlt, fühlt es sich irgendwie unvollständig an.
Gyeran-jjim und Miyeok-guk — das Duo für einen ruhigen Magen 🥚

Links seht ihr Gyeran-jjim, einen weichen, fluffigen koreanischen Eierdampf. Rechts Miyeok-guk, eine traditionelle Algensuppe. In Korea ist das auch als „Geburtstagssuppe“ bekannt, weil viele sie am Geburtstag essen. Beide sind nicht scharf und beruhigen den Magen – ideal, bevor ihr euch durch das Rohfisch-Menü futtert.

Gyeran-jjim ist übrigens nicht nur im Fischrestaurant ein Klassiker. Ihr bekommt es auch in Grillrestaurants, Eintopf-Läden oder bei koreanischer Hausmannskost – gefühlt in fast jedem koreanischen Restaurant als Standard-Beilage. In der koreanischen Esskultur ist das so ein „geht immer“-Gericht, das man einfach liebgewinnt.
Gemüse-Muchim und Kimchi — die Basis jeder koreanischen Tafel

Das ist ein koreanischer Gemüse-Muchim: frische Blätter (Wrap-Gemüse), angemacht mit Chilipulver und einem Sesam-Dressing. Zusammen mit Rohfisch nimmt es das „Fettige“ aus dem Mund und macht alles wieder frisch. Sieht unscheinbar aus, macht aber süchtig – so ein Nebenbei-Gericht, das plötzlich weg ist.

Kimchi ist Koreas bekanntestes fermentiertes Essen und praktisch überall dabei. Meist ist es Baechu-Kimchi: Chinakohl, gewürzt mit Chilipulver, Knoblauch, gesalzenen Meeresfrüchten (Jeotgal) und mehr, dann fermentiert. Scharf, sauer, lebendig. Für viele Koreaner fühlt sich ein Tisch ohne Kimchi leer an. Für manche Besucher ist es am Anfang ungewohnt, aber wenn ihr in Korea seid: Probiert es wenigstens einmal richtig!
Noch bevor der Fisch kommt, ist der Tisch voll 🍽️

Salat, Gemüse-Muchim, Kimchi, Gyeran-jjim, Miyeok-guk – und der Rohfisch ist noch nicht mal da. Der Tisch ist jetzt schon voll. Genau das ist der Charme eines koreanischen Fischrestaurant-Kurses: Schon vor dem Hauptgang fühlt es sich an, als würde man richtig „bewirtet“ werden. Und ganz ehrlich: Allein mit den Beilagen könnte man schon eine Mahlzeit haben.
Ssamjang — die Allzwecksoße, die nie fehlt 🌶️

Ssamjang ist eine koreanische Würzpaste, oft gemischt mit Knoblauch, Frühlingszwiebel und Chilipulver. Wenn ihr ein Stück Rohfisch auf Salat oder Perillablatt (Kkaennip) legt und ein bisschen Ssamjang dazugebt, kommt zu der frischen Fisch-Note plötzlich diese tiefe, salzig-würzige Umami-Wucht – wirklich eine geniale Kombi. Und das Lustige: In jedem Laden schmeckt Ssamjang ein bisschen anders, weil Mischungsverhältnis und Konsistenz variieren. In Korea ist Ssamjang nicht nur „eine Soße“, sondern fast schon ein eigenes Esskonzept.
Frittierte Meeresfrüchte — ganz anders als Markt-Tuigim 🍤

Jetzt geht’s richtig los: Der erste „warme“ Star sind frittierte Meeresfrüchte. Garnelen, Fischstücke und Co. werden im knusprigen Teigmantel frittiert. In Korea sind frittierte Snacks (Tuigim) auch auf traditionellen Märkten super beliebt – günstig, frisch aus der Fritteuse, sofort auf die Hand. Im Fischrestaurant wirkt das Ganze eher „edel“: frische Meeresfrüchte, sauber angerichtet, als Teil des Kurses. Gleiches Prinzip, aber komplett anderes Erlebnis – und genau das macht’s spannend.


Aus der Nähe sieht man richtig, wie prall die Garnele im Teigmantel steckt. Erst gucken, dann reinbeißen – das ist genau so ein Gang, der schon optisch Appetit macht.
Der heutige Hauptgang: Modeum-hoe (gemischter Rohfisch) 🐟

Und da ist er: der Hauptgang. Das Beste an Modeum-hoe ist, dass ihr mehrere Fischsorten auf einmal probieren könnt. Bestellt man einzeln, bekommt man oft nur eine Sorte (zum Beispiel Flunder oder Sebastes), aber beim gemischten Teller kommen meist drei bis vier Sorten zusammen auf eine Platte. Typisch koreanisch ist auch die Art, wie serviert wird: Perillablätter als Unterlage, Gurke und Karotte für die Farben, und alles auf Eis, damit es bis zum letzten Bissen frisch bleibt. Wenn ihr Rohfisch zum ersten Mal probiert, ist so ein Mix perfekt, weil ihr die Unterschiede direkt vergleichen könnt.



Ich habe aus verschiedenen Winkeln fotografiert, und man sieht wirklich: Jede Faser wirkt „lebendig“. Farben, Schnitt, Anrichten – diese Platte braucht eigentlich keine Erklärung. Genau so stellt man sich ein gutes Rohfisch-Menü in Korea vor.
Frittierter Fisch — ein ganzer Fisch, einmal knusprig bitte


Hier kommt ein ganzer Fisch, komplett frittiert, oben drauf eine würzige, leicht scharfe Sauce und Frühlingszwiebeln. Außen knusprig, innen saftig – dieser Kontrast ist das Highlight. Und wenn man die Sauce aus der Nähe sieht, denkt man direkt: Dazu würde ich jetzt locker eine Schüssel Reis schaffen.
Zwei Arten, Rohfisch im koreanischen Fischrestaurant zu essen 🥬


In Chojang oder Sojasauce dippen
Ihr tunkt den Rohfisch kurz in Chojang (süß-scharfe Chili-Essig-Soße) oder in Sojasauce mit Wasabi und esst ihn direkt so.
So spürt ihr den milden Eigengeschmack und die Textur am klarsten – perfekt, wenn ihr die Frische vom Fisch „pur“ feiern wollt.
Als Ssam (Wrap) essen
Ein Stück Fisch auf Salat oder Perillablatt, ein Klecks Ssamjang drauf, zusammenklappen, ab in den Mund.
Das Knacken vom Gemüse plus die salzig-würzige Paste macht den Fisch noch spannender – ideal, wenn ihr gern verschiedene Aromen kombiniert.
Beides hat seinen eigenen Reiz. Wenn man abwechselt, wird’s bis zum Schluss nicht langweilig. Ein Salatblatt, ein Stück Fisch, ein bisschen Ssamjang – und dann ein Bissen „zack“. Genau so schmeckt koreanisches Fischrestaurant-Feeling.
Besondere Meeresfrüchte: Meongge, Haesam, Jeonbok-hoe
Meongge (Seescheide) — als würde man das Meer schlucken





Meongge ist in koreanischen Fischrestaurants ziemlich beliebt, für viele aus dem Ausland aber total unbekannt. Es ist ein Meerestier, das an Felsen wächst – außen knubbelig, orange, sieht wirklich speziell aus. Gegessen wird es vor allem in Korea und Japan; weltweit gehört es eher zu den seltenen „Probier-das-mal“-Sachen. Geschmacklich ist es nicht einfach nur „fischig“, sondern hat dieses tiefe, intensive Meeresaroma, das sich im ganzen Mund ausbreitet. Hier scheiden sich die Geister: Manche lieben es sofort, andere können gar nicht damit. Aber wenn man einmal drauf steht, sagen viele, kommt man schwer wieder davon los. In Korea lohnt sich der Versuch auf jeden Fall.
Haesam (Seegurke) — Textur-Level Endboss



Haesam bedeutet auf Englisch oft „Sea Cucumber“ – also Seegurke, wortwörtlich „Gurke des Meeres“. In China wird sie häufig getrocknet und als edle Zutat genutzt, in Japan eher als sauer angemachter Salat. In Korea ist es ein bisschen anders: Man isst sie gern roh, in Scheiben geschnitten, fast wie Sashimi. Das Besondere ist die Textur: zäh-elastisch und gleichzeitig knackig – wirklich einzigartig. Auch hier gilt: nicht jeder liebt es, aber wenn ihr Koreas echte Meeresfrüchte-Kultur erleben wollt, ist das ein super Kandidat. Auf ein Perillablatt legen und kurz in Chojang dippen – dann macht’s richtig Spaß.
Jeonbok-hoe (Abalone-Rohkost) — die pralle Power aus Wando



Während man isst, kommen die Side-Dishes oft einfach weiter – genau das ist ja der Reiz dieses Kurses. Diesmal: Jeonbok-hoe, also Abalone roh. Wenn man in Korea Abalone sagt, fällt fast immer Wando: eine Region an der südlichen Küste in Jeollanam-do, bekannt für saubere Gewässer und viel Seegras – perfekte Bedingungen für Abalone-Zucht. Abalone aus Wando gilt in Korea als besonders hochwertig: festes Fleisch, tiefer Geschmack. Man isst sie roh, dünn geschnitten und in Chojang getunkt, oder auch gedämpft, dann schön weich. In dem kleinen Schälchen ist Abalone-Innereien – manche lieben das als Extra-Delikatesse.
Finale des Kurses: Haemul Maeuntang 🔥




Und jetzt kommt das große Finale: Haemul Maeuntang, eine scharfe Meeresfrüchte-Suppe. In koreanischen Fischrestaurants wird nach dem Filetieren fast nichts verschwendet. Wenn der Fisch als Rohfisch serviert ist, bleibt am Knochen noch ordentlich Fleisch – und das landet nicht im Müll, sondern wird zusammen mit Meeresfrüchten kräftig ausgekocht. Mit Oktopus, Muscheln und allem Drum und Dran, plus Frühlingszwiebeln und Chilipulver, entsteht diese tiefrote, würzige Brühe. Sie wärmt den Bauch, der vom kalten Rohfisch ein bisschen „abgekühlt“ ist, und der scharfe Abschluss macht den Mund wieder frisch. Genau solche Details zeigen, wie viel „Alles verwerten“-Wissen in der koreanischen Esskultur steckt.
Was kostet so ein Rohfisch-Kurs im Schnitt?
Viele denken, ein koreanischer Rohfisch-Kurs müsse automatisch super teuer sein – aber oft ist es überraschend fair. Hier sind grobe Durchschnittsbereiche, die je nach Region und Restaurant natürlich variieren können.
GÜNSTIG
preiswert
1 Person · ca. 13–20 €
2 Personen · ca. 27–40 €
3 Personen · ca. 40–60 €
4 Personen · ca. 53–80 €
MITTELKLASSE
mittelpreisig
1 Person · ca. 27–40 €
2 Personen · ca. 53–80 €
3 Personen · ca. 80–120 €
4 Personen · ca. 107–160 €
OBERKLASSE
hochpreisig
1 Person · ca. 47–67 €+
2 Personen · ca. 93–133 €+
3 Personen · ca. 140–200 €+
4 Personen · ca. 187–267 €+
※ Diese Preise sind grobe Durchschnittswerte inklusive Beilagen-Tafel. Küstenregionen wie Busan oder Jeju können manchmal günstiger sein, während zentrale Lagen in Seoul eher höher liegen.
Wenn ihr in Korea seid: Unbedingt den Fischrestaurant-Kurs probieren
Wie fandet ihr den Rundgang durch einen typischen koreanischen Fischrestaurant-Kurs? Vom Salat über Gyeran-jjim, Miyeok-guk, Gemüse-Muchim, Kimchi und Frittiertes bis hin zu Modeum-hoe, Meongge, Haesam, Jeonbok-hoe und am Ende Haemul Maeuntang – diese volle Tafel ist quasi das „Lehrbuch“ eines Hwejip-Abends. Man isst nicht einfach nur Rohfisch, sondern erlebt ein komplettes Rohfisch-Menü von Anfang bis Ende als eigene Esskultur. Und dass man das nicht nur am Meer, sondern wirklich landesweit auf diesem Niveau erleben kann, ist schon etwas, worauf Korea stolz sein darf. Wenn ihr herkommt, traut euch ruhig ran – der Preis ist oft fair, und das Erlebnis ist mehr als nur „ein Teller Fisch“.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf https://hi-jsb.blog veröffentlicht.