KategorieEssen
SpracheDeutsch
Veröffentlicht15. April 2026 um 18:37

Koreanisches Gerstenreis-Menü: 18 Beilagen auf einem Tisch

#koreanische Beilagen Rezept#asiatisches Vollkornreis Gericht#Banchan koreanisch
Etwa 12 Min. Lesezeit
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Ich wollte meiner Frau endlich ein richtiges Essen spendieren

Meine Frau schuftet jeden Tag und ich wollte ihr schon lange mal ein ordentliches Essen ausgeben. Durch einen YouTube-Short bin ich zufällig auf ein Gerstenreis-Restaurant gestoßen, in dem der Tisch von Beilagen überquoll — und da war mein Entschluss sofort gefasst. Sie mag eigentlich keine teuren Restaurantbesuche, deshalb haben wir das immer wieder verschoben. Diesmal habe ich einfach die Rechnung komplett übernommen. Im April 2026 war ich mit meiner ausländischen Frau im 1972 Song Eunjeong Boribap Hauptrestaurant in Jochiwon, einer Kleinstadt in der Sonderverwaltungsstadt Sejong in Südkorea.

Außenansicht des Restaurants Song Eunjeong Boribap in Jochiwon bei Nacht

Als wir abends ankamen, war das Gebäude viel größer als erwartet. Ich hatte mit einem kleinen Nachbarschaftslokal gerechnet und war dann doch überrascht. Die Fassade ist mit großformatigen Fotos des Gerstenreises dekoriert, die Beleuchtung wirkt durchdacht — für ein Boribap-Restaurant ziemlich modern. Allerdings: Der Parkplatz ist für die Größe des Lokals deutlich zu klein. Wer zur Abendzeit kommt, muss möglicherweise ein paar Runden drehen.

Der breite Tisch hatte seinen Grund

Innenraum des Restaurants Song Eunjeong mit Vierertisch und Tablet-Bestellsystem

Wir setzten uns und der Tisch war auffallend groß. Für vier Personen ausgelegt, saßen wir zu zweit geradezu fürstlich. Warum der Tisch so breit ist, wurde mir erst klar, als die Beilagen aufgetragen wurden. Auf einer Seite stand ein Tablet zum Bestellen, daneben waren Sesamöl und Perillaöl bereits aufgestellt.

Tablet-Bestellung — praktisch, aber ohne Übersetzung

Bildschirm des Tablet-Bestellsystems im Restaurant Song Eunjeong mit Speisekarte

Bestellt wird über das Tablet an jedem Tisch, ein paar Taps und fertig. Das Problem: Obwohl ein paar englische Begriffe auftauchen, ist die Karte faktisch nicht übersetzt. Wer kein Koreanisch kann, steht ziemlich ratlos da. Deshalb habe ich die Speisekarte unten für euch aufgeschlüsselt.

1972 Song Eunjeong Boribap · Speisekarte

Menu · メニュー · 菜单

  • Song Eunjeong Vollständiges Tischset (pro Person)

    Full Table Set / 松恩亭フルセット / 松恩亭套餐

    Mind. 2 Personen · Min. 2 persons

    ~23 €
  • Gerstenreis mit Doenjang-Suppe (pro Person)

    Soybean Paste Stew + Barley Rice / 味噌チゲ麦ごはん / 大酱汤麦饭

    ~11 €
  • Gerstenreis mit Cheonggukjang-Suppe (pro Person)

    Cheonggukjang Stew + Barley Rice / 清麹醤チゲ麦ごはん / 清麴酱汤麦饭

    ~11 €
  • Kinderteller (3–7 Jahre)

    Kids Meal / お子様メニュー / 儿童餐

    ~2 €

Extras · Add-ons

  • Gegrillte Makrele (ganz) / Grilled Mackerel / 鯖の塩焼き / 烤鲭鱼~7 €
  • Scharf gebratenes Schweinefleisch / Spicy Pork / 豚キムチ炒め / 辣炒猪肉~4 €
  • Rindfleisch Bulgogi / Beef Bulgogi / 牛プルコギ / 烤牛肉~6 €

Koreanische Reiskultur: So viele Beilagen zu einer einzigen Schüssel Reis

In Korea Reis essen bedeutet nicht, einfach eine Schüssel Reis zu löffeln. Der Reis ist der Mittelpunkt, um den herum Gemüse, Suppe, Gegrilltes, Geschmortes und Eingelegtes aufgetischt werden — das ist die Banchan-Kultur, das Herzstück der koreanischen Küche. Boribap (보리밥) ist Reis, dem Gerste beigemischt wird. Im Vergleich zu weißem Reis ist er gröber und hat einen markanten Biss. In Korea gilt er seit Jahrhunderten als gesundes Vollkorngetreide. In Boribap-Restaurants wird dieser Reis standardmäßig mit Gemüsebeilagen vermischt gegessen — weshalb zwangsläufig viele Beilagen serviert werden. In meinem Blog habe ich schon mehrfach über günstige Baekban-Menüs zwischen 6 und 7 € pro Person geschrieben. Diese Boribap-Mahlzeit ist davon das Upgrade zum großen Mehrgangmenü.

Zwei Messingtabletts voller Banchan-Beilagen kurz nach der Bestellung im Restaurant Song Eunjeong

Ich hatte gerade über das Tablet bestellt, als keine 30 Sekunden später die ersten Beilagen auf dem Tisch standen. Zwei vollgeladene Messingtabletts auf einmal — meine Frau hatte ihr Handy noch nicht mal weggelegt. Diese Geschwindigkeit hat mich wirklich überrascht.

Komplett gedeckter Tisch im Restaurant Song Eunjeong mit allen Beilagen ausgebreitet

Als alles ausgebreitet war, war der Tisch sofort voll. Jetzt verstand ich, warum er so groß war. Meine Frau sah das alles und fragte mit großen Augen: „Das gehört alles uns?" — sie war gerührt. So eine üppige Banchan-Tafel in einem koreanischen Restaurant live zu erleben war für sie ein absolutes Novum.

Zwei Messingtabletts — Grundbeilagen und Namul getrennt

Tablett mit Grundbeilagen im Restaurant Song Eunjeong: Wachtelei, Lotus, Rettich, getrockneter Fisch, Nüsse

Das eine Tablett enthielt die klassischen Grundbeilagen: Wachteleier in Sojasoße, Lotusrettich-Salat, frischer Rettichsalat, gewürzter getrockneter Hwangtae-Fisch, karamellisierte Nüsse und Nudelsalat — jedes in einem kleinen Messingschälchen. Diese Beilagen sind eher salzig-süß und sollen den Appetit anregen. Auch Yeolmu-Kimchi (Kimchi aus jungen Rettichen) war dabei.

Tablett mit koreanischen Namul-Gemüsebeilagen im Restaurant Song Eunjeong: Bohnensprossen, Farn, Aubergine, Gondeure, Zucchini, Austernpilze

Das andere Tablett war ganz den Namul gewidmet — gewürztem Gemüse: Bohnensprossen, Gosari-Farn, getrocknete Aubergine, Gondeure-Wildkraut, Zucchini und Austernpilze, alles ordentlich aufgereiht. Diese Zutaten sind zum Einrühren in den Gerstenreis gedacht. Die Aufteilung auf separate Tabletts hält alles übersichtlich und macht es zum Vergnügen, sich zu überlegen, womit man anfängt.

Beilage für Beilage — die beeindruckendsten Highlights

Dieses Restaurant ist für seine Beilagenqualität bekannt, und tatsächlich: Die Vielfalt war enorm und jede einzelne Beilage hatte ihren eigenen Charakter. Alles im Detail zu erklären würde den Rahmen sprengen, deshalb greife ich die herausragendsten heraus.

Gosari-Farnkraut-Namul mit Sojasoße und Sesamöl angebraten, klassische Beilage zum Gerstenreis

Gosari-Namul (gewürzter Farn). In Korea wird getrockneter Gosari-Farn eingeweicht und dann in Sojasoße angebraten — in Boribap-Restaurants ist er kaum wegzudenken. Beim ersten Bissen wirkt er etwas zäh, nach zwei, drei weiteren Kaubewegungen wird er weich und gibt den salzig-nussigen Geschmack von Soja und Sesamöl frei. Ich habe mir am Selbstbedienungsbereich noch eine Portion nachgeholt.

Getrocknete Auberginen-Namul, eingeweicht und mit Sojasoße angebraten, koreanische Gemüsebeilage

Geongage-Namul (getrocknete Auberginenbeilage). Keine frische Aubergine, sondern getrocknet, eingeweicht und dann gewürzt angebraten. Die Textur ist völlig anders als bei frischer Aubergine — zäh-elastisch, fast fleischartig, und die Sojasoße zieht tief ein. Im eingerührten Reis macht sich diese Beilage sehr deutlich bemerkbar.

Austernpilze in Sesamöl angebraten, leichte und ausgewogene Namul-Beilage

Gebratene Austernpilze. In dünne Streifen gezupft und in Sesamöl gebraten — nicht schleimig, sondern schön fest. Der Geschmack ist mild und unaufdringlich; gegessen zusammen mit den anderen Beilagen bringt er das Gesamtgefüge in Balance.

Die restlichen Namul im Kurzüberblick

Siraegi-Rettichblätter-Namul gebraten mit kräftigem Grünaroma und Sesamöl

Siraegi-Namul (getrocknete Rettichblätter). Mit dem ganzen Stiel angebraten, intensiv grasig im Aroma, mit deutlichem Sesamöl-Akzent.

Taro-Stängel-Namul, schwammartige Textur, traditionelle koreanische Gemüsebeilage

Torande-Muchim (gewürzte Taro-Stängel). Die Stängel haben winzige Luftkammern, die wie ein Schwamm funktionieren. Die Würze dringt in jede dieser Kammern ein, sodass beim Hineinbeißen ein saftiger Geschmacksausbruch entsteht — eine ungewohnte, aber faszinierende Textur.

Gewürzte Bohnensprossen als Einrühr-Zutat für den Gerstenreis

Bohnensprossen-Namul. Kaum Eigengeschmack solo, aber genau das ist der Sinn: Im eingerührten Reis geben sie eine erfrischende Knackigkeit zum Gesamtbild.

Leicht gebratene Zucchini mit knackiger Textur, fettarme Beilage

Gebratene Zucchini. Nur kurz erhitzt, damit die Textur knackig bleibt — kein überflüssiges Fett, angenehm leicht.

Gondeure oder Chwinamul Wildkraut in Perillaöl gebraten, harmoniert perfekt mit Boribap

Gondeure oder Chwinamul (Wildkräuter). Ich bin mir nicht sicher, welches von beiden es genau war — aber die sanfte Bitternote in Kombination mit Perillaöl passte zum Gerstenreis wirklich ausgezeichnet.

Und noch mehr als Gemüse

Japchae Glasnudeln mit Sojasoße und Sesam gebraten, koreanische Beilage

Japchae (Glasnudeln). Süßkartoffelnudeln in Sojasoße angebraten, mit Gemüse und Sesam vermischt. Meine Frau war von dieser Beilage so begeistert, dass sie zweimal nachgeholt hat. Die zäh-elastische Textur mit dem dezent süßen Geschmack hat sie völlig in ihren Bann gezogen.

Karamellisierte Nüsse mit Mandeln, Erdnüssen und Kürbiskernen in Reissirup

Karamellisierte Nüsse. Mandeln, Erdnüsse und Kürbiskerne in Reissirup eingekocht — eine süße, snackartige Beilage. Wer zwischendurch eine davon nascht, erlebt eine willkommene Abwechslung zum Gemüse.

Hobakjeon koreanische Zucchinipfannkuchen mit Eihülle, außen knusprig innen saftig

Hobakjeon (Zucchinipfannkuchen). Dünn aufgeschnittene Zucchini in Eihülle gebraten — außen knusprig, innen saftig.

Gewürzter Hwangtae-Trockenfisch mit Gochujang-Paste, süßlich-salzig, ideal zum Reis

Hwangtae-Muchim (gewürzter Trockenfisch). Getrockneter Seelachs in Gochujang mariniert, süßlich und salzig zugleich. Meine Hand wanderte hier immer wieder hin.

Nudelsalat mit Mayonnaise zwischen den koreanischen Gemüsebeilagen

Nudelsalat. Wenn plötzlich eine Nudelsalat-Schale zwischen all den koreanischen Gemüsebeilagen auftaucht, sorgt das für einen amüsanten Bruch. Kinder würden hier wohl als erstes zugreifen.

Yeolmu-Kimchi aus jungen Rettichen, frisch und scharf, ideal zum Einrühren in Gerstenreis

Yeolmu-Kimchi (Kimchi aus jungen Rettichen). Junger Rettich fermentiert mit koreanischen Gewürzen — saftig, erfrischend. Eingerührt im Boribap entfaltet die Schärfe den ganzen Teller neu.

Wachteleier in Sojasoße geschmort, salzig-süß, proteinreiche Beilage

Wachteleier in Sojasoße. Kleine, salzig-süße Happen, die ich immer wieder gegriffen habe. Zwischen all dem Gemüse tut es gut, auch mal etwas Protein zu bekommen.

Lotoswurzel-Salat mit cremiger Sesamsauce, knackige Textur mit dekorativem Lochmuster

Lotoswurzel-Salat. Lotoswurzel in cremiger Sesamsauce — die knackige Textur kombiniert mit der sahnigen Sauce hebt sich klar von den anderen Namul ab. Optisch macht das Lochmuster im Querschnitt außerdem richtig was her.

Frischer Rettich in Gochugaru-Gewürz, knackig, scharf und erfrischend

Musaengchae (frischer Rettich-Salat). Dünn gehobelter Rettich in koreanischem Chilipulver mariniert — knackig, scharf und erfrischend zugleich. Er reinigt den Gaumen wirkungsvoll und belebt den Boribap, sobald man ihn einrührt.

Insgesamt waren die Beilagen nicht aufdringlich würzig. Weder zu salzig noch zu fade — genau in der Mitte. Ehrlich gesagt: Wer kräftige Aromen gewohnt ist, könnte es ein wenig harmlos finden. Gesundheitlich ist diese Zurückhaltung aber eindeutig die klügere Wahl. Sehr salzig ist eben nicht automatisch sehr lecker.

Der Hauptgang erscheint — Gerstenreis und Cheonggukjang-Eintopf

Gerstenreis im Messingschälchen und blubbernder Cheonggukjang-Eintopf im Steinschälchen, komplette koreanische Mahlzeit

Etwa 10 Minuten lang hatten wir uns durch die Beilagen probiert, dann kam der Hauptgang. Der Gerstenreis im Messingschälchen, daneben ein im Steinschälchen (Dukbaegi) blubbernder Cheonggukjang-Eintopf. Erst jetzt war der Tisch wirklich komplett. Wir hatten das Cheonggukjang-Boribap-Menü bestellt — hier eine kurze Erklärung, was das ist.

🫘 Was ist Cheonggukjang?

Cheonggukjang ist ein traditionell koreanisches Fermentationsprodukt aus gekochten Sojabohnen, die nur 2–3 Tage kurz fermentiert werden. Im Vergleich dazu reift Doenjang-Sojapaste monatelang bis jahrelang. Die kurze Fermentationszeit bedeutet: Die Sojabohnen bleiben ganz, und das Aroma ist deutlich intensiver.

Wegen dieses starken Fermentationsgeruchs scheiden sich selbst unter Koreanern die Geister. Liebhaber schütten die Suppe direkt über den Reis und lassen keinen Tropfen übrig. Wer es nicht mag, verlässt beim bloßen Geruch schon den Tisch.

Das Cheonggukjang-Boribap-Menü besteht aus diesem fermentierten Sojabohnen-Eintopf zusammen mit Gerstenreis. Im Steinschälchen wird er mit Tofu, Zucchini und Peperoni heiß aufgekocht serviert. Über den Reis gegossen entwickelt er einen herzhaften, leicht süchtig machenden Geschmack.

💡 Wem intensive Gerüche zu viel sind, wählt besser das gleichpreisige Doenjang-Boribap-Menü. Auch Doenjang ist Sojabohnenpaste, aber das Aroma ist wesentlich milder.

Cheonggukjang-Eintopf kochend im Steinschälchen mit fermentierten Sojabohnen

Das hier ist der Cheonggukjang. Wenn er im Steinschälchen blubbert, steigt der Geruch fermentierter Sojabohnen auf — ich mag diesen Geruch ehrlich gesagt sehr.

Innenansicht des Cheonggukjang-Eintopfs mit Sojabohnenkörnern, Tofu, Zucchini und Peperoni in herzhafter Brühe

In der Brühe lösten sich die Sojabohnenkörner auf, dazu Tofu, Zucchini und Peperoni. Der Cheonggukjang dieses Restaurants war eher zurückhaltend im Aroma — kein Angriff auf die Nase, sondern eine milde Version. Meine Frau hat die Suppe bis auf den letzten Tropfen geleert; ich habe über die Hälfte meines Reises direkt hineingegeben.

Die Selbstbedienungstheke — nachfüllen ohne schlechtes Gewissen

Selbstbedienungstheke im Restaurant Song Eunjeong zum Nachfüllen der Beilagen

Das ist die Selbstbedienungstheke. Wer eine Beilage aufgegessen hat, nimmt einfach sein Schälchen und bedient sich — kein Rufen, kein Warten, kein Bitten. Einfach so viel nehmen, wie man möchte. Diese Freiheit hat mir sehr gut gefallen.

Selbstbedienungstheke in Song Eunjeong mit Japchae im Warmhaltebehälter und Reiskocher zum Nachfüllen

Am Ende der Theke stand Japchae in einem großen Wärmbehälter, daneben ein Reiskocher. Wer mehr Reis braucht, schöpft sich hier nach — ich habe eine Schüssel extra genommen. Aber ehrlich gesagt: Der Reis aus dem Kocher war etwas klebriger als der frisch servierte. Essbar, aber der Unterschied war spürbar. Achtung außerdem: Es gibt einen Hinweis, dass „bei Essensresten eine Umweltgebühr von ~2 € erhoben wird" — also lieber vorsichtig portionieren.

Gegrillte Makrele als Extra — ~7 € für einen ganzen Fisch

Ganze gegrillte Makrele mit knuspriger Haut und saftigem Fleisch im Inneren

Die Beilagen allein hätten gereicht, aber ich hatte das Gefühl, es fehle noch etwas — also bestellte ich die gegrillte Makrele dazu. Makrele ist in der koreanischen Hausmannskost allgegenwärtig, aber als ganzer gegrillter Fisch sieht man sie so nur im Restaurant. Die Haut war knusprig, das Fleisch saftig durchgegart und ließ sich mit leichtem Druck der Stäbchen mühelos ablösen. Der Eigengeschmack der Makrele stand im Vordergrund, kein Übersalzen.

Die vollständige Tafel — ~28 € für zwei Personen

Vollständig gedeckter Tisch im Restaurant Song Eunjeong für zwei Personen, rund 28 Euro gesamt

So sah unsere vollständige Mahlzeit aus. Gerstenreis, Cheonggukjang-Eintopf, gegrillte Makrele, über zehn Beilagen, dazu Japchae und Zucchinipfannkuchen. Im Vergleich zu den 6–7-€-Baekban-Menüs, über die ich früher in meinem Blog geschrieben habe, ist das dasselbe Genre — aber eine völlig andere Liga. Zwei Cheonggukjang-Boribap-Menüs für ~21 € plus die Makrele für ~7 €: zusammen rund 28 €. Günstig ist das ehrlich gesagt nicht. Aber wenn man den Tisch vor sich sieht, versteht man den Preis sofort. Die schiere Anzahl der Beilagen, die freie Selbstbedienung und der gegrillte Fisch zusammen ergeben ein wirklich lohnenswertes Essen.

Gerstenreis mischen — so geht es richtig

Nahaufnahme des Gerstenreises mit sichtbaren Gerstenkörnern zwischen weißem Reis im Messingschälchen

Das hier ist Boribap. Man sieht die Gerstenkörner zwischen dem weißen Reis. Die Textur ist gröber und bissfester als normaler Reis, und meine Frau fand dieses Körnige ungewohnt, aber irgendwie anziehend. Sie mag sonst eher klebriger Reis — aber diese Variante hätte ihren eigenen Reiz, sagte sie. Koreanischer Gerstenreis schmecke sehr gut, und diese Textur habe sie noch nie erlebt.

Boribap-Bibimbap gemischt mit Namul, Gochujang und Sesamöl nach koreanischer Tradition

Man gibt Namul und andere Beilagen wie Rettich-Salat und getrocknete Aubergine auf den Gerstenreis, fügt Gochujang-Chilipaste und Sesamöl hinzu und vermischt alles — so entsteht eine Schüssel Bibimbap. Das ist die Standardmethode in koreanischen Boribap-Restaurants. Man kann die Beilagen auch einzeln essen, aber gemischt kommen in einem einzigen Löffel ganz verschiedene Texturen zusammen: Knackiges, Zähes, Scharfes, alles auf einmal, und mit jedem Bissen schmeckt es ein bisschen anders. Der Trick ist, großzügig Perillaöl hinzuzugeben — erst dann verbinden sich alle Zutaten weich miteinander und das nussige Aroma entfaltet sich voll.

Ein Stück Makrele, eine Portion Namul

Mit Stäbchen abgezupftes Makrelenfilet mit knuspriger Haut und saftigem Fleisch

Ich habe ein Stück Makrelenfilet mit den Stäbchen abgezupft. Die Haut angeröstet und knusprig, das Fleisch innen saftig und gut durchgegart. Das abwechslungsweise Essen mit einem Löffel Bibimbap lässt das nussige Gemüsearoma und die fettige Umami-Note des Fisches ineinandergreifen — der Mund ist einfach voll.

Mit Stäbchen hochgehobene Namul glänzend von Perillaöl

Die mit Stäbchen aufgehobenen Namul glänzen vom Perillaöl. Der Unterschied zwischen Einzelessen und Einrühren in den Reis ist bemerkenswert deutlich. Meine Frau fand Gosari und Gondeure als Beimischung am besten; ich mochte den scharfen Rettich am liebsten im Boribap. Es gibt keine richtige Antwort — genau das ist der Reiz dieser Mischkultur.

Fazit: Das koreanische Gerstenreis-Menü, ehrlich bewertet

In Korea ist eine Boribap-Mahlzeit weit mehr als nur eine Mahlzeit. Jede Beilage hat ihre eigene Funktion, und je nachdem, was man einrührt, entsteht mit jedem Löffel ein anderer Geschmack. Was mich beim gemeinsamen Essen mit meiner ausländischen Frau am meisten beeindruckt hat: Diese koreanische Tischkultur ist von außen betrachtet wirklich faszinierend. Man bestellt einen Reis und bekommt über zehn Beilagen, kann beliebig nachfüllen und das Gericht nach eigenem Geschmack zusammenrühren. Meine Frau schwärmte, dass der koreanische Gerstenreis wirklich lecker sei und diese Textur absolut neu für sie — und das stimmt: So ein Essformat findet man außerhalb Koreas kaum.

Der Preis liegt bei rund 14 € pro Person, also nicht gerade wenig. Zu den kleinen Schwachpunkten zählt: Wer auf kräftige Aromen hofft, wird das Gesamtbild vielleicht etwas zahm finden. Außerdem ist der Parkplatz für die Restaurantgröße knapp bemessen, und der Reis aus dem Selbstbedienungskocher ist klebriger als der frisch servierte. Trotzdem: Wer jemandem, der sich täglich abmüht, einmal ein echtes Festessen gönnen möchte, bekommt hier definitiv sein Geld's worth.

1972 Song Eunjeong Boribap — Hauptrestaurant

Song Eunjeong Boribap · Jochiwon, Sejong

  • 📍 1. Etage, Sejong-ro 2427, Jochiwon-eup, Sonderverwaltungsstadt Sejong, Südkorea
  • 🕐 Täglich 08:30 – 20:30 (letzter Einlass 20:00)
    Pause 15:00 – 17:00
  • 📞 +82-507-1343-0929
  • 🅿️ Eigener Parkplatz vorhanden (etwas klein für die Restaurantgröße)
  • 💰 ~28 € für zwei Personen (Cheonggukjang-Boribap ×2 + gegrillte Makrele ×1)
  • 📌 Reservierung über Naver möglich · Bei Foto-Rezension: 2 Spiegeleier in Sesamöl gratis
Veröffentlicht 15. April 2026 um 18:37
Aktualisiert 15. April 2026 um 18:59