
Verstecktes Hanok-Dorf in Korea – Stille Gassen ohne Touristen
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Ein traditionelles Hanok-Dorf mitten in einer koreanischen Neustadt
Wenn man an traditionelle Hanok-Dörfer in Korea denkt, fallen einem meistens Jeonju oder das Bukchon-Viertel in Seoul ein. Aber es gibt ein ruhiges, verstecktes Hanok-Dorf ganz ohne Touristen, ohne Eintritt und mit echten Bewohnern – in Sejong, einer modernen Planstadt etwa anderthalb Autostunden südlich von Seoul. Das Goun-dong Hanok Village (Sejong Goun-dong Hanok Village) ist eine kleine Wohnsiedlung mit rund 46 traditionellen koreanischen Häusern. Von Seoul braucht man mit dem Auto etwa anderthalb Stunden, von Daejeon nur 30 Minuten. Wer in Ruhe durch traditionelle Gassen schlendern möchte oder auf einem Roadtrip zwischen Seoul und Busan einen Zwischenstopp sucht, der schöner ist als jede Raststätte – hier ist der richtige Ort.
Letzten Herbst war ich mit meiner Frau dort. Obwohl wir ganz in der Nähe wohnen, haben wir erst spät erfahren, dass es dieses Hanok-Dorf überhaupt gibt. Sejong ist selbst bei Koreanern eine Stadt, über die man sagt: „Was gibt's da eigentlich?" Das Image einer Neustadt voller Regierungsgebäude und Wohnblöcke ist einfach zu stark. An dem Tag sind wir zuerst im Hemel Tea House eingekehrt, einem Hanok-Café direkt neben dem Dorf, und haben danach unseren Spaziergang durch die Gassen gemacht. Zum Hemel-Café schreibe ich noch einen eigenen Beitrag – hier nur so viel: Es ist ein Café in einem traditionellen Hanok-Gebäude mit Tee und Desserts, und es liegt perfekt, um es mit dem Dorfbesuch zu verbinden.
Traditionelle Gassen mitten zwischen Hochhäusern

Sobald man in die inneren Gassen des Dorfes einbiegt, ziehen sich niedrige Steinmauern links und rechts entlang, und geschwungene Ziegeldächer füllen das Blickfeld. Aber wenn man den Kopf hebt, stehen dahinter 20-stöckige Wohnblöcke. Das ist der erste Eindruck vom Goun-dong Hanok-Dorf. Man steht eindeutig mitten in einer Neustadt, aber sobald man in der Gasse ist, fühlt sich die Luft anders an. Dreht man sich um, tauchen die Hochhäuser wieder auf. Meine Frau sagte: „Ist das hier echt eine Neustadt?" Ich dachte genau dasselbe.
Zwischen Steinmauern und vertrockneten Hortensien

Geht man noch tiefer hinein, verschwinden die Hochhäuser langsam aus dem Blickfeld. Stattdessen ziehen sich Steinmauern mit schwarzen Ziegeln auf beiden Seiten entlang, und über die Mauerkronen ragten vertrocknete Hortensien heraus. Im Sommer wären die alle blau gewesen, aber es war Spätherbst, also waren sie braun und knusprig vertrocknet. Aber das hatte irgendwie auch seinen Charme. Hanok-Häuser und vertrocknete Hortensien – niemand beachtet sie, und trotzdem sind sie auf ihre Art wunderschön. Die Gasse war so still, dass nur unsere Schritte auf dem Steinboden hallten.
Kein Touristenort, sondern ein echtes Wohnviertel

Das hier sind echte Wohnhäuser. Zweistöckige Hanoks mit Balkon und Holzgeländer – auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Luxus-Resort oder ein Kulturdenkmal, aber tatsächlich lebt hier jemand. Das Besondere an diesem Viertel ist, dass es sich nicht um restaurierte alte Hanoks handelt, sondern um Neubauten, die von Anfang an im traditionellen Hanok-Stil errichtet wurden. Sie wurden nach strengen Gestaltungsrichtlinien gebaut – Struktur, Dachform, Mauern, alles nach festgelegten Kriterien. Deshalb wirkt das ganze Dorf einheitlich, ohne ein einziges Gebäude, das heraussticht.
Wer schon einmal in Korea gereist ist, weiß: In diesem Land werden alte Gebäude in rasantem Tempo abgerissen und durch neue Wohnblöcke ersetzt. Abgesehen von Palästen und Tempeln begegnet man traditioneller Architektur im Alltag kaum. In dieser Hinsicht ist das Goun-dong Hanok-Dorf ein seltenes Beispiel dafür, wie die Ästhetik traditioneller koreanischer Architektur in modernen Wohnraum übertragen wurde.
Kiefern und Ziegeldächer auf Steinsockeln



Die Linien der Ziegeldächer zwischen den Kiefern, die Holzkonstruktionen auf Steinsockeln – das Konzept ist klar durchdacht, und nichts wirkt billig oder halbherzig. Wer traditionelle koreanische Hanoks bisher nur von Fotos kennt, kann sie hier in ihrer saubersten Form live erleben. Denn das sind keine für Touristen hergerichteten Hanoks, sondern Häuser, in denen jeden Tag echte Menschen leben.
Die Außenwege – ein Hanok-Resort am Hügel



Kommt man auf die Außenwege des Dorfes, ändert sich das Bild. Die inneren Gassen hatten dieses enge Gefühl zwischen Steinmauern, aber hier ist die Straße breit, und die Hanoks reihen sich auf beiden Seiten einen Hügel hinauf. An jedem Tor hängt in chinesischen Schriftzeichen der Name des Hauses, und zweistöckige Hanoks thronen auf Steinsockeln – ehrlich gesagt dachte ich zuerst eher an ein Hanok-Resort als an ein Wohnviertel. Aber seht ihr die Autos vor den Toren? Die gehören den Leuten, die hier wirklich wohnen.
Am Berghang dahinter begann sich leicht die Herbstfärbung zu zeigen, und zusammen mit der Linie der Ziegeldächer ergab das ein richtig schönes Bild. Auf der Straße waren nur wir zwei. So ruhig, dass es fast schon peinlich war. Man hatte kurz das Gefühl, sich heimlich in ein fremdes Viertel geschlichen zu haben, aber das Dorf ist so angelegt, dass Spaziergänger willkommen sind – also keine Sorge.
Am Ende des Hügels – die beste Ecke für Fotos
Folgt man dem Weg den Hügel hinauf, kommt man ans Ende des Dorfes. Ab hier schließt sich direkt der bewaldete Berghang an, und die Kulisse aus Kiefern und Ziegeldächern unterscheidet sich deutlich von der Seite zur Stadt hin. Statt „Hanok zwischen Hochhäusern" sieht man hier Hanoks, die an einem Berghang sitzen – fast wie ein altes Gutshausdorf auf dem Land.
Neben einem Steinsockel blühte ein Büschel Azaleen, und weil sie einfach so an diesem unbemerkten Hügelweg standen, tat es mir fast ein bisschen leid um sie. Hanok-Mauern, rosa Blüten und dahinter der grüne Berg – zum Fotografieren war diese Ecke definitiv die beste. Aber kaum jemand kommt bis hierher. Die meisten schauen sich nur das Café am Eingang an und drehen dann um, also waren wir hier oben wirklich komplett allein.
Silhouetten der Dächer im Gegenlicht bei Sonnenuntergang

Blickt man von der unteren Straße nach oben, sieht man zwei, drei Hanoks nebeneinander auf Steinsockeln stehen, und weil die Sonne gerade hinter den Berg sank, zeichneten sich nur die Dachkonturen im Gegenlicht ab. Dieses Timing war perfekt. Wer am späten Nachmittag kommt, kann so eine Szene erleben. Es lohnt sich durchaus, extra zu dieser Zeit herzukommen, nur um Fotos zu machen.
Mauer-Details – Dinge, die man nur beim langsamen Gehen entdeckt

Ein Mauer-Detail fiel mir ins Auge, also ging ich näher ran. Eine traditionelle Ziermauer, gemischt aus Ziegelbruchstücken und Backsteinen – auf dem Steinsockel darüber wächst eine Kiefer schräg empor, und darunter sind kleine Blumen gepflanzt. So etwas sieht man auf Fotos kaum. Das entdeckt man nur, wenn man selbst langsam durch die Gassen geht.
Achtung beim Parken – im Dorf drohen Bußgelder
Eine Sache muss man beachten: Die meisten Straßen innerhalb des Dorfes sind Halteverbotszonen. In Korea bekommt man an solchen Stellen ein Bußgeld, wenn man sein Auto abstellt. Wer mit einem Mietwagen kommt, sollte auf keinen Fall im Dorf parken, sondern den Parkplatz des Hemel-Cafés oder den öffentlichen Parkplatz in der Dorfmitte nutzen. Wer sein Auto einfach irgendwo abstellt, weil die Gassen so hübsch sind, könnte bei der Mietwagen-Rückgabe eine böse Überraschung in Form einer Bußgeldforderung erleben. Ich habe auf dem Parkplatz des Hemel-Cafés geparkt – es gab reichlich Plätze und es war bequem.
Ein Viertel, in dem Hanok und Neustadt in einen Rahmen passen
Tritt man am Dorfeingang einen Schritt zurück, sieht man links durch Kiefern die Hanok-Dächer und rechts in der Ferne moderne Gebäude. In diesem einen Bild steckt die ganze Stadt Sejong. Dass traditionelle Hanoks und eine Neustadt im selben Rahmen existieren – das ist die Identität dieses Viertels. Es hat etwas Eigenartiges, wenn man einen Zebrastreifen überquert und das Gefühl hat, in eine völlig andere Epoche einzutreten.
Lohnt sich der Besuch? – Ein ehrliches Fazit
Ehrlich gesagt ist dieses Dorf allein nicht Grund genug, extra nach Sejong zu fahren. Es ist klein, in 20 Minuten hat man alles gesehen. Aber wenn man sowieso durch Sejong kommt, sieht die Sache anders aus. Wer von Seoul Richtung Busan, Gwangju oder Daejeon fährt, kommt an Sejong vorbei. Von der Autobahn abgefahren ist man in 10 bis 15 Minuten da – also statt an einer Raststätte einfach hier 30 Minuten bis eine Stunde Pause machen. Durch die traditionellen Hanok-Gassen spazieren, im Café nebenan einen Tee trinken und dann weiterfahren.
Wer wie ich in der Nähe von Sejong wohnt, kann gemütlich zum Spazierengehen herkommen. Und wer auf der Durchreise ist, für den reicht es, kurz anzuhalten und eine Runde durch die Hanok-Gassen zu drehen. Es ist kein Ort, der touristisch inszeniert wurde – man läuft einfach still durch ein echtes Wohnviertel. Und genau das macht den Charme dieses versteckten Hanok-Dorfs aus.
So kommt man zum Hanok-Dorf Goun-dong in Sejong
📍 Adresse
Goun Hanok-gil, Goun-dong, Sejong (moderne Planstadt, ca. 1,5 Stunden südlich von Seoul)
Goun Hanok-gil, Goun-dong, Sejong Special Autonomous City, South Korea
🔍 Navi-Suchbegriff
„Sejong Hanok Village" oder „Goun-dong Hanok Village" oder „Hemel Tea House"
🅿️ Parken
Am besten auf dem Parkplatz des Hemel-Cafés (kostenlos bei Café-Besuch). Es gibt auch einen kostenlosen öffentlichen Parkplatz in der Dorfmitte. Straßenparken im Dorf ist verboten – es drohen Bußgelder.
Park at Hemel Tea House (free with cafe purchase). Free public parking also available at village center. Street parking inside the village is prohibited — fines apply.
🎟️ Eintritt
Kostenlos (Free)
🚗 Fahrzeit von größeren Städten
Seoul → ca. 1,5 bis 2 Stunden (Autobahn)
Daejeon → ca. 30 Minuten
Sejong Zentrum → ca. 10 Minuten
🚶 Dauer des Spaziergangs
Das ganze Dorf zu Fuß ca. 20 Minuten. Mit Café-Besuch empfehlen sich 1 bis 1,5 Stunden.
📸 Beste Besuchszeit
Spaziergang am Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr empfohlen. Gegenlicht-Fotos bei Sonnenuntergang sind besonders schön. Unter der Woche ist es deutlich ruhiger als am Wochenende.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Hanok-Dorfs
Wer nicht nur das Hanok-Dorf sehen möchte, findet in der Umgebung einiges zum Kombinieren. Als Halbtages-Tour lässt sich alles bequem verbinden.
Hemel Tea House (Hanok-Café)
Ein Hanok-Café direkt neben dem Dorf. Traditioneller Tee, Kaffee und Desserts in einem traditionellen koreanischen Gebäude. Der Parkplatz ist groß, daher parkt man beim Dorfbesuch am besten hier. Ein eigener Beitrag dazu folgt.
Adresse: Goun Hanok 1-gil 3, Sejong | Öffnungszeiten: Mo–Fr 09:30–18:00 / Sa–So 10:00–20:00
Hemel auf Instagram →Nationales Arboretum Sejong (National Sejong Arboretum)
Koreas erstes städtisches Arboretum. Das Ganzjahres-Gewächshaus ist sehr sehenswert, und der Außengarten ist weitläufig. Nur 10 Autominuten vom Hanok-Dorf entfernt.
Adresse: Sumogwon-ro 136, Sejong | Eintritt: Erwachsene ca. 3,50 € / Jugendliche ca. 2,80 € / Kinder ca. 2,10 € | Montags geschlossen
Sommer 09:00–18:00 / Winter 09:00–17:00
Offizielle Website des Arboretums →Sejong Lake Park
Einer der größten künstlichen Seeparks Koreas. Spazierwege, Radwege und sogar eine Wasserbühne. Eintritt und Parken kostenlos. Nur 5 Autominuten vom Hanok-Dorf.
Adresse: Dasom-ro 216, Sejong | Öffnungszeiten: 05:00–23:00 (ganzjährig)
Empfohlene Halbtages-Route
Halbtages-Tour durchs Hanok-Dorf Sejong
Ankunft am Hemel-Café → Parken → Tee trinken (ca. 40 Min. bis 1 Stunde)
Spaziergang durchs Hanok-Dorf Goun-dong (ca. 20–30 Min.)
Nationales Arboretum Sejong oder Sejong Lake Park (5–10 Min. Fahrt, ca. 1–2 Stunden)
Essen in Sejong und weiter zum nächsten Ziel
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