
Scharfe Hühnerfüße — Dakbal, Koreas feurigster Kneipensnack
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Scharfe Hühnerfüße — der ultimative koreanische Kneipensnack
Scharfe Hühnerfüße, auf Koreanisch Dakbal genannt, gelten als der ultimative scharfe Snack zum Bier in ganz Korea. Egal ob Seoul, Busan, Daejeon oder Daegu — in praktisch jeder Stadt findest du irgendwo in einer Gasse einen Imbissstand oder eine Kneipe, die feuerrote Hühnerfüße verkauft. Dakbal ist fester Bestandteil der koreanischen Spätabend-Esskultur und einer der bekanntesten Vertreter in der Kategorie „scharf" unter all dem koreanischen Street Food.
Ich lebe in Korea und bin Koreaner, aber ehrlich gesagt esse ich Dakbal nicht mega oft. Im Winter 2025 bin ich aber mit meiner Frau mal wieder zu Hanshinpocha gegangen — einer bekannten Kneipen-Kette. Das Restaurant liegt ziemlich weit von uns entfernt und es ist jedes Mal eine kleine Expedition, aber wenn einen dieses Verlangen nach Schärfe packt, gibt es kein Zurück.
Hühnerfüße sind kein rein koreanisches Gericht
Hühnerfüße werden tatsächlich weltweit gegessen — nicht nur in Korea. In China heißen sie Fengzhua und sind als Dim-Sum-Gericht beliebt; man kann sie dort sogar abgepackt als Snack im Supermarkt kaufen. In Thailand findet man frittierte oder geschmorte Hühnerfüße an fast jedem Straßenstand. Auf den Philippinen haben sie den Spitznamen „Adidas" und werden als Grillspieße auf der Straße verkauft, in Mexiko kommen sie in Suppen, und auf Jamaika ist Hühnerfußsuppe ein ganz normales Alltagsgericht.
Was koreanische Hühnerfüße aber grundlegend von all diesen Ländern unterscheidet, ist Folgendes: In den meisten Kulturen schätzt man Hühnerfüße wegen der Textur oder als Suppenbasis — in Korea hingegen sind Hühnerfüße gleichbedeutend mit Schärfe pur. In Gochujang und Chiliflocken marinierte Hühnerfüße sehen so brutal aus, dass man sich erst mal fragt: „Wie soll man das essen?" Aber sobald du einmal zugreifst, kannst du nicht mehr aufhören. Koreaner suchen genau dieses Erlebnis ganz bewusst — Tränen und laufende Nase inklusive. Stell dir vor, jemand reicht dir Schweinshaxe, aber statt mild-würzig ist sie so scharf, dass dir die Lippen brennen — und du willst trotzdem mehr. Genau das ist Dakbal.
Welche Sorten Hühnerfüße es in Korea gibt
Wenn du in Korea ein Dakbal-Restaurant betrittst, ist die Speisekarte überraschend vielfältig. Je nach Zubereitungsart schmecken die Hühnerfüße komplett unterschiedlich, obwohl die Grundzutat immer dieselbe ist.
Die Hühnerfüße kommen in einer roten Gewürzbrühe und werden am Tisch auf einem Gasbrenner selbst eingekocht. Je länger man sie köcheln lässt, desto dickflüssiger wird die Sauce und desto besser haftet sie an den Hühnerfüßen — man bestimmt also selbst den Gargrad nach eigenem Geschmack.
🔥 Selbst kochen · Brühe einreduzierenDiese Hühnerfüße werden direkt über Holzkohle gegrillt und fertig serviert — man kann sofort reinbeißen. Das rauchige Grillaroma mischt sich mit der scharfen Marinade und ergibt ein komplett anderes Geschmackserlebnis als die Brühe-Variante. Außen leicht knusprig, innen zäh-elastisch.
🔥 Fertig gegrillt · Rauchiges AromaHier werden die Knochen vorher entfernt. Perfekt für Leute, die keine Lust haben, das Fleisch mühsam von den winzigen Knochen zu lösen. Meistens werden sie über Holzkohle gegrillt serviert. Die Textur ist weicher als bei der Variante mit Knochen — und es ist die meistempfohlene Einsteigerversion.
🦴 Knochenlos · Perfekt für EinsteigerHier werden Hühnermägen zusammen mit Hühnerfüßen in scharfer Sauce gebraten. Zur elastischen Textur der Hühnerfüße kommt das knackig-federnde Mundgefühl der Mägen dazu — doppelter Kauspaß. Als Snack zum Bier besonders beliebt.
🫕 Hühnerfüße + Mägen-KomboAuf die scharfen Hühnerfüße wird großzügig Mozzarella geschmolzen. Wer die Hühnerfüße in den geschmolzenen Käse tunkt, neutralisiert die Schärfe deutlich — perfekt für alle, die Dakbal probieren wollen, aber eigentlich nicht besonders scharf essen können.
🧀 Käse-Neutralisierung · Schärfe gemildertGukmu-Dakbal: Scharfe Hühnerfüße am Tisch selbst einkochen

Das hier sind die scharfen Gukmu-Dakbal, die wir bei Hanshinpocha bestellt haben. Auf der schwarzen Grillplatte türmen sich Hühnerfüße, komplett eingehüllt in feuerrote Sauce, obendrauf Sesam und Frühlingszwiebeln — sieht schon beim Hinschauen brutal scharf aus, oder?
Das wird zwar fertig angerichtet serviert, aber damit ist es noch nicht getan. Man muss den Gasbrenner am Tisch anschalten und alles weiter einkochen. Am Anfang ist die Sauce noch ziemlich dünnflüssig, aber wenn sie langsam blubbernd einkocht, wird sie immer dickflüssiger und haftet richtig an den Hühnerfüßen. Bei Gukmu-Dakbal reguliert man als Gast selbst die Hitze und bestimmt die Garzeit — je nachdem, wie lange man einreduziert, verändert sich die Konsistenz der Sauce. Wenn die Brühe auf ein Minimum eingekocht ist und die Sauce schön dickflüssig-klebrig geworden ist — dann ist der perfekte Moment zum Essen gekommen.
Preise und Schärfegrade
Bei Hanshinpocha kosten die Hanshin-Dakbal (Hühnerfüße mit Knochen + Sojasprossen) etwa 22.000 Won (ca. 15 €) und die knochenlosen Hühnerfüße ungefähr 23.000 Won (ca. 16 €). Bei der Schärfe kann man zwischen Stufe 1 (normal), Stufe 2 (scharf) und Stufe 3 (sehr scharf) wählen — wobei ich ehrlich sagen muss: Schon Stufe 1 ist ziemlich scharf. Wer nicht sicher ist, wie viel Schärfe er verträgt, sollte definitiv mit Stufe 1 anfangen.
Die Methode mit der Sojasprossenbrühe

Zusammen mit den Hühnerfüßen wird diese Sojasprossenbrühe separat serviert. Wenn man nur die Dakbal auf der Platte sieht, denkt man erstmal: „Das soll Brühen-Dakbal sein? Wo ist die Brühe?" Aber genau diese Sojasprossenbrühe wird auf die Grillplatte gegossen und zusammen mit den Hühnerfüßen aufgekocht. Sobald die Brühe dazu kommt, löst sich die Sauce auf und alles färbt sich knallrot. Ab diesem Moment geht es erst richtig los.
Scharfe Hühnerfüße in Nahaufnahme

Aus der Nähe sehen sie so aus. Wer noch nie Hühnerfüße gesehen hat, könnte von der Optik ehrlich gesagt erstmal etwas geschockt sein. Die Zehen sind klar erkennbar. Aber für Koreaner ist der erste Gedanke beim Anblick: „Oh, das sieht lecker aus."
Das Einkochen am Tisch

Hier wird gerade der Gasbrenner angemacht und richtig losgekocht. Wenn noch viel Brühe da ist, kann man einfach köcheln lassen — aber wenn die Flüssigkeit wie hier schon weniger geworden ist, muss man mit der Kelle ständig umrühren und wenden. Sonst brennt alles am Boden an. Die Sojasprossenbrühe kann man übrigens jederzeit kostenlos nachbestellen, so viel man will.

Wenn alles fertig eingekocht ist, sieht es so aus. Komplett anders als vorher, oder? Die Sauce hat sich zu einem dickflüssigen, klebrigen Überzug auf jedem einzelnen Hühnerfuß verwandelt. Wenn man jetzt einen mit den Stäbchen hochhebt, zieht die Sauce lange Fäden — und genau das ist der Moment, in dem man zuschlagen muss.
Sojasprossen obendrauf gegen die Schärfe

Wenn es zu scharf wird, kann man einfach Sojasprossen obendrauf legen und mitgaren. Die Sprossen bringen einen schönen Crunch mit und mildern die Schärfe etwas ab.

Wenn die Sojasprossen anfangen, die Sauce aufzusaugen, wird diese Kombi richtig genial. Sprossen, die die scharfe Sauce aufgenommen haben, zusammen mit einem zäh-elastischen Hühnerfuß in einem Bissen — dann versteht man sofort, warum Sojasprossen bei Gukmu-Dakbal einfach dazugehören.
So isst man Hühnerfüße — mit den Händen, auf koreanische Art

Man zieht sich Einweg-Plastikhandschuhe an und hält die Hühnerfüße direkt in der Hand, um das Fleisch mit den Zähnen von den Knochen zu lösen — das ist die koreanische Art. Die kleinen Fleischfetzen zwischen den Knochen mit den Zähnen abzuziehen hat durchaus seinen Reiz, aber mal ehrlich: Hühnerfüße gehören definitiv zu den umständlichsten Speisen überhaupt. Die Knochen sind winzig und komplex geformt, und selbst Koreaner brauchen am Anfang etwas Übung.
Wenn du also in Korea Dakbal probieren willst, aber keine Lust hast, dich mit dem Knochenpulen herumzuschlagen, dann bestell die knochenlose Variante. Der Geschmack und die Textur sind fast identisch, aber ohne Knochen ist es deutlich entspannter zu essen.
Der perfekte Begleiter — Jumeokbap (Reisbällchen)

Wenn man Gukmu-Dakbal essen geht, bestellt man fast automatisch noch etwas dazu: Jumeokbap — kleine Reisbällchen zum Selbermachen. Bei Hanshinpocha kostet eine Portion Selfmade-Jumeokbap etwa 3.500 Won (ca. 2,50 €). Die Zutaten sind simpel: Reis, Seetangflocken, eingelegter Rettich, Sesam und Frühlingszwiebeln — das war's.
Aber der Suchtfaktor ist absolut irre. Man zieht sich die Plastikhandschuhe an, knetet alles mit den Händen durch und formt mundgerechte Bällchen. Vorsicht: Der Reis ist heiß und man kann sich leicht die Finger verbrennen. Aber sobald man das erste Bällchen im Mund hat, gibt es kein Halten mehr. Zwischendurch beim Dakbal-Essen ein Reisbällchen — die Schärfe legt sich sofort, und dann greift man gleich wieder zum nächsten Hühnerfuß. Dieser Kreislauf ist quasi nicht zu durchbrechen.
So macht man die Reisbällchen

Aus der Nähe sieht das so aus. Reis, Seetangflocken, eingelegter Rettich, Sesam, Frühlingszwiebeln. Wirklich, das ist alles.

Plastikhandschuhe an und alles kräftig durchkneten — dann sieht es so aus. Die Seetangflocken verteilen sich zwischen den Reiskörnern und die Farbe verändert sich komplett.

Dann formt man alles zu kleinen runden Bällchen — fertig. Das Zubereiten selbst macht schon Spaß. Zwischen den scharfen Hühnerfüßen immer wieder ein Bällchen essen: von scharf zu nussig-würzig, von nussig-würzig zurück zu scharf — diese Endlosschleife kann man einfach nicht unterbrechen.
Mein ehrliches Fazit
Hühnerfüße spalten selbst unter Koreanern die Meinungen ziemlich stark. Die Optik ist gewöhnungsbedürftig, und das Knochenpulen kann nervig sein, wenn man es nicht gewohnt ist. Aber wenn man einmal angefixt ist, kommt man wirklich schwer wieder los. Die Lippen kribbeln und brennen von der scharfen Sauce, aber die Hand greift trotzdem zum nächsten Fuß — zwischendurch ein Reisbällchen zur Beruhigung, und dann geht es gleich weiter. Wer das einmal selbst erlebt hat, versteht sofort, warum Koreaner dieses Essen einfach nicht loslassen können.
Übrigens: Hühnerfüße bestehen zu etwa 70 % aus Kollagen und gelten in Korea als gut für die Haut — es gibt tatsächlich Leute, die sie allein aus diesem Grund essen.
Was mich ein bisschen gestört hat, ganz ehrlich: Hanshinpocha ist im Grunde eine Kneipe, und dementsprechend ist es dort ziemlich laut. Für einen gemütlichen, ruhigen Abend ist das nichts. Und persönlich nervt mich am meisten, dass das Restaurant so weit von meiner Wohnung entfernt liegt — wenn das Verlangen kommt, kann ich nicht einfach mal eben hin. Aber gut, es ist nun mal eine Kneipe, also gehört der Lärm irgendwie dazu.
Falls dir die Knochen zu viel Aufwand sind, probier einfach die knochenlose Variante — und bei der Schärfe kannst du den Grad selbst wählen, also fang ruhig mit Stufe 1 an und taste dich langsam vor.
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